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Kommentar: Hahn gelingt kein Höhenflug

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Zumindest die Mainzer Landesregierung ist erst einmal fein raus: Nachdem sie jahrelang erfolglos versucht hat, den Flughafen Hahn in die schwarzen Zahlen zu bringen, hat sie es nun im zweiten Anlauf

Zumindest die Mainzer Landesregierung ist erst einmal fein raus: Nachdem sie jahrelang erfolglos versucht hat, den Flughafen Hahn in die schwarzen Zahlen zu bringen, hat sie es nun im zweiten Anlauf zumindest geschafft, die Verantwortung für die dort rund 3000 Beschäftigten auf einen privaten Investor abzuwälzen.

Dass diese Menschen nun einer gesicherten Zukunft entgegensehen, kann man indes nicht behaupten. Zwar ist Shanghai Yiqian Trading bereit, einen „niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag“ zu zahlen. Das würde auch ein chinesischer Konzern kaum tun, wenn er nicht der Ansicht wäre, dass er in der Lage ist, mit dem gerupften Hahn Geld zu verdienen. Aber die Erfahrungen mit der Übernahme von Regionalflughäfen durch chinesische Investoren zeigen hierzulande, dass auch Unternehmen aus dem Reich der Mitte mitunter irren.

Sicher: Nach ihrem ersten, gescheiterten Verkaufsversuch im Jahr 2013 hat die Landesregierung mit weiteren Steuergeldern den Hahn etwas aufgepäppelt: Sie hat der Betreibergesellschaft 122 der 133 Millionen Euro Schulden abgenommen, ihr Grundstücke abgekauft. Und weitere Subventionen in Höhe von 70 Millionen Euro sollen bis zum Jahr 2014 fließen – für die Zeit danach hat Brüssel weiteren Zuschüssen einen Riegel vorgeschoben. Zudem hat die Betreibergesellschaft schon mehrere Sparprogramme absolviert.

Das alles verbessert die Startbedingungen für die Chinesen. Aber die Maßnahmen nützen nun mal nichts, wenn kein tragfähiges Geschäftsmodell vorhanden ist. Und das ist auch nach den gestrigen Bekanntgaben nicht erkennbar. Stattdessen vermittelt der neue Investor den Eindruck, dass das ganze Projekt nur auf dem Prinzip Hoffnung ruht. Dass er noch dabei ist, die chinesische Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express zur Rückkehr zu bewegen, lässt dabei tief blicken. Warum diese den Hahn wieder ansteuern sollte, ist ohnehin ein Rätsel. Die Airline hatte 2015 überzeugende Gründe für ihren Umzug nach München vorgebracht. An der betriebswirtschaftlichen Logik dieses Umzugs ändert auch der neue Flughafen-eigentümer aus China nichts.

Und warum sollten chinesische Airlines ihre Kunden in den so abseits gelegenen Hunsrück fliegen, wenn es schon so viele Verbindungen von China nach Frankfurt gibt, das den Touristen aus dem Reich der Mitte auch noch lukrative Umsteigemöglichkeiten in andere europäische Metropolen bietet? Weil der Flughafen im Hunsrück billiger ist? Zum einen spielen die Flughafengebühren auf der Langstrecke eine viel geringere Rolle als auf der Kurz- und Mittelstrecke. Zum anderen führt der Hahn-Hauptkunde Ryanair exemplarisch vor, dass die Billigflieger auch innerhalb Europas kaum noch auf Niedrigstpreisangebote setzen, sondern an größere, zentraler gelegene Flughäfen ziehen, wo sie über flexibel hinzubuchbare Leistungen – auch mit Geschäftsreisenden – höhere Preise erzielen.

So scheint der Hahn – einst Einfallstor für die Billigfliegerei in Deutschland – letztlich auch ein Opfer des von ihm ausgelösten Booms der Discount-Flieger zu werden. Wer billig fliegen will, ist nicht mehr darauf angewiesen, stundenlang zum Hahn zu fahren. Sollte die Übernahme durch Shanghai Yiqian Trading also nicht gerade Teil eines wie auch immer gearteten Geheimplans sein, im Rahmen dessen Peking chinesische Airlines zwingt, den Hahn anzusteuern, ist für den Flughafen kein Höhenflug zu erwarten.

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