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Nur Halbierung der Treibhausgase kann Klimakatastrophe verhindern

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Kommentar zur Klimakonferenz: Wässrige Erdbeeren

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Knapp über 14 800 Kilometer liegen zwischen Riedstadt und Kiribati. Gefühlt sind der südhessische Ort und der Südseestaat aber quasi Nachbarn, macht sich hier wie dort doch dasselbe Phänomen bemerkbar, wenngleich mit unterschiedlichen Vorzeichen. Werden in Riedstadt diesen November erstmals Erdbeeren geerntet, und zwar kiloweise, herrscht auf Kiribati wegen des Anstiegs des Meeresspiegels bald Land unter. Verantwortlich für beides ist die globale Erwärmung, die ab heute mehr als 190 Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Kattowitz wieder einmal einzuhegen versuchen.

Klaus Späne

Ach, schon wieder der Klimawandel, stöhnen jetzt vielleicht manche auf und gönnen sich auf den Weihnachtsmärkten einen zweiten Glühwein. Fake News, wehrt Donald Trump ab, alles eine Erfindung der Chinesen. Aber auch Schöntrinken und mantrahaftes Verleugnen nützt nichts, denn die Gefahr, dass unser blauer Planet, salopp gesagt, an die Wand gefahren wird, ist mittlerweile verdammt groß. Kleine Zwischenbilanz gefällig?

Rekordwerte beim CO2-Ausstoß

Seit die Weltgemeinschaft auf der epochalen Klimakonferenz von Paris 2015 beschlossen hat, die Erderwärmung möglichst auf weniger als 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu drücken, hat sich die Lage nicht verbessert. Gelinde gesagt. Und wir reden hier nicht nur von Hitzewellen und Dürreperioden wie diesen Sommer in Deutschland, Waldbränden wie kürzlich in Kalifornien, Stürmen wie Hurrikan „Michael“ im Oktober in Florida. Ein Menetekel, zumindest in der Summe und Häufung, das unterstreicht, dass sich da grundlegend etwas verschoben hat. Dies auch deshalb, weil es eine weitere Negativentwicklung gibt: Trotz aller Absichtserklärungen und Anstrengungen, die Emission von schädlichen Klimagasen wie Kohlendioxid (CO2) zu senken, fährt der Zug immer noch in die Gegenrichtung.

Laut neuen Expertenberichten erreicht der CO2-Ausstoß gar neue Rekordwerte. Blamabel ist das unter anderem für die Bundesregierung. Sie hat es vor Kattowitz nicht gebacken bekommen, einen Plan für den Kohleausstieg zu präsentieren – wie der selbst ernannte Umweltweltmeister Deutschland generell die selbst gesteckten Klimaziele für 2020 verfehlt. Umso unerklärlicher erscheint da die Posse um die inzwischen gerichtlich gestoppte Rodung des Hambacher Forsts für den Kohleabbau. Und dass sich die Groko auf eine CO2-Steuer einigt, mit der sich laut zwei renommierten Forschern und Regierungsberatern das Einsparen des Klimagases für Industrie und Verbraucher rechnen soll, erscheint derzeit unwahrscheinlich.

Aber zurück zu Kattowitz. Die Chance, dass dort nachhaltige Fortschritte beim Klimaschutz erzielt werden, stehen nicht besonders gut. Zu stark prägen nationale Egoismen und Autokraten die politische Szenerie. Hinzu kommt, dass sich die USA 2020 aus dem Pariser Klimavertrag verabschieden wollen und dass in Brasilien mit dem fürs Weltklima wichtigen Amazonas gerade ein „Tropen-Trump“ zum Präsidenten gewählt wurde. Möglicherweise kommt es in Kattowitz zu einem ähnlich vagen, halbgaren Ergebnis wie gerade beim G 20-Gipfel in Buenos Aires. Für Riedstadt verspricht dies noch mehr Erdbeeren im Winter. Die Kiribatier hingegen können sich langsam nach einer alternativen Heimat umschauen.

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