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Kommentar: Maloche bis zum Tode?

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© (FNP)

Arbeiten bis zur Rente und dann nichts tun im wohlverdienten Ruhestand? Von wegen! Auch in Deutschland arbeiten immer mehr Rentner. Jeden dieser Unruheständler gleich zum Sozialfall zu erklären,

Arbeiten bis zur Rente und dann nichts tun im wohlverdienten Ruhestand? Von wegen! Auch in Deutschland arbeiten immer mehr Rentner. Jeden dieser Unruheständler gleich zum Sozialfall zu erklären, wäre sicherlich ebenso falsch wie die Vorstellung, dass es sich bei ihnen ausschließlich um kraftstrotzende, finanziell abgesicherte Silver Ager handelt, die aktiv bleiben und einer sinnvollen Aufgabe nachgehen wollen oder noch nach Anerkennung streben. Das Gros der arbeitenden Ruheständler, nämlich 41 Prozent, hat ein Einkommen zwischen 900 und 1500 Euro – und damit weniger Geld zur Verfügung als der Durchschnittsrentner mit knapp über 1500 Euro. Die meisten sind also nicht bedürftig, scheinen sich aber gerne ein Zubrot verdienen zu wollen.

Die Flexi-Rente, auf die sich die Berliner Koalition geeinigt hat und die 2017 eingeführt werden soll, wird dazu beitragen, ihnen allen den Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand zu erleichtern. Denn die Regelungen sind nicht mehr so starr, die festen Stufen zur Rentenkürzung entfallen ganz – und berücksichtigen neue Lebensstile. Eine Flexibilität, die dringend nötig ist, um mit dem Thema Alterssicherung umgehen zu können. Der demografische Wandel in der Gesellschaft zieht zwangsläufig einen demografischen Wandel in der Arbeitswelt nach sich. Darum muss es vielfältige Möglichkeiten geben – und nicht nur eine Formel. Es funktioniert nicht, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einem automatischen Zusammenhang in eine Rentenformel zu bringen, wie es die Arbeitgeber gerne tun.

Die Formel muss lauten: Wer kann und mag, darf so lange arbeiten, wie er will, ohne dass es ihm finanziell madig gemacht wird. Wer nicht kann, etwa weil er ausgelaugt ist, darf früher aufhören, ohne in Altersarmut und Ausgrenzung zu landen. Die Leute, um die es geht, sind erwachsen. Sie können selbst entscheiden, wie lange sie arbeiten. Und jene, die es länger tun, nehmen niemandem eine Stelle weg: 50 Millionen Menschen zwischen 20 und 65 sind zurzeit erwerbstätig, nur 42 Millionen werden es 2030 sein. Der Bedarf an Arbeitskräften wird immer schwieriger mit Jüngeren zu decken sein.

Voraussetzung ist aber eine alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Ein Jahr mehr Lebenserwartung gleich vier Monate länger arbeiten und acht Monate mehr Rente – wenn Arbeitgeber-Vereinigungen solche Formeln aufstellen, machen sie es sich zu einfach. Denn damit unterstützen sie zwar die späte Rente, schaffen aber zu wenige Arbeitsplätze, auf denen man gesund alt werden kann.

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