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Zinsderivate

Kommentar: Im Nachhinein ist jeder klüger

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Viele Häuslebauer haben auch schon die bittere Erfahrung gemacht: Das Zinsniveau erschien vergleichsweise niedrig, da waren Kredite mit langfristiger Zinsbindung attraktiv.

Viele Häuslebauer haben auch schon die bittere Erfahrung gemacht: Das Zinsniveau erschien vergleichsweise niedrig, da waren Kredite mit langfristiger Zinsbindung attraktiv. Wer dann aber jahrelang fünf, sechs oder sieben Prozent Zinsen an seine Bank zahlen musste, obwohl das aktuelle Zinsniveau schon längst viel niedriger lag, der ärgerte sich über die mehrjährige Verpflichtung.

Ähnlich geht es nun dem Land Hessen. Finanzminister Schäfer hat sich 2011 der Einschätzung vieler Kapitalmarktexperten angeschlossen, dass damals ein historisches Zinstief vorlag, das man sich für die Zukunft sichern wollte. Dazu wurden Derivate gekauft – quasi als Versicherung gegen steigende Zinsen. Leider ist das Gegenteil eingetreten: Die Zinsen liegen heute noch niedriger. Deshalb sieht sich der Minister jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, das Land habe sich verzockt.

Bei seriöser Betrachtung kann davon aber keine Rede sein – zumal alle Fraktionen über die Derivate-Praxis informiert waren. Wären die Zinsen tatsächlich gestiegen, wie es damals viele Experten prognostiziert hatten, dann stünde der Minister jetzt als Held da. Dass es anders kam, könnte das Land teuer zu stehen kommen und ist deshalb aus Sicht der Steuerzahler extrem ärgerlich. Zumal Schäfer auch den Anteil an Derivaten deutlich erhöht hat. Doch im Nachhinein ist jeder klüger. Und sollten die Zinsen in den nächsten Jahren wieder ansteigen, könnte sich die Investition doch noch lohnen.

christiane.warnecke@fnp.de Berichte Seiten 1 und 7

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