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Kommentar: Nichts überstürzen

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Die Verärgerung der Sparer über die äußerst lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist allzu verständlich. Solange die Zinsen um die Null-Linie schwanken, führt die nun gestiegene

Die Verärgerung der Sparer über die äußerst lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist allzu verständlich. Solange die Zinsen um die Null-Linie schwanken, führt die nun gestiegene Inflation dazu, dass ihre Guthaben real schrumpfen. Und natürlich sind die Nebenwirkungen und Risiken von Nullzins-Politik und billionenschweren Wertpapier-Käufen nicht zu verharmlosen. Da sind zum einen Fehlanreize für die Staaten mit Blick auf Haushaltskonsolidierung und Reformen. Und da sind zum anderen die Sorgen um die Folgen für die Finanzstabilität, weil Anleger auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingehen müssen.

Trotzdem sollte die EZB jetzt nicht überstürzt den Ausstieg aus ihrer Politik des billigen Geldes suchen. Zum einen zählt auch Deutschland zu den Profiteuren der EZB-Politik: Es gibt eben nicht nur den deutschen Sparer, sondern auch den Kreditnehmer, den Arbeitnehmer und den Aktionär, die profitieren. Die deutsche Wirtschaft und auch die deutschen Staatsfinanzen stünden ohne den lockeren EZB-Kurs weniger glorreich da. Zum anderen muss die EZB nun mal für den Euroland-Durchschnitt Geldpolitik machen, nicht nur für Deutschland. Da müssen die Bundesbürger in Zeiten von Hochkonjunktur wohl oder übel einmal eine Zeit lang Inflationsraten von etwas mehr als zwei Prozent akzeptieren, wenn andere Euro-Länder deutlich darunterliegen. In den Anfangsjahren der Währungsunion war es genau umgekehrt. Da lag die Inflation in Spanien bei fünf Prozent und die deutsche nur bei einem. Dass diese Zeit tatsächlich überschaubar ist – darüber herrscht auch hierzulande Konsens, denn der negative statistische Basiseffekt beim Ölpreis wird in einigen Monaten überwunden sein.

Ob dann die Eurozone noch so gefestigt ist, wie sie jetzt erscheint, ist aber alles andere als sicher. Nicht nur sind Zweifel angebracht, dass das Wirtschaftswachstum tatsächlich so stark ausfällt, wie es die Stimmungsindikatoren signalisieren. Die EZB muss auch politische Risiken ins Kalkül ziehen: Demnächst stehen Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und möglicherweise Italien an. Mit Blick auf den möglichen Aufstieg rechter Kräfte bei den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich treibt die Währungshüter nicht zu Unrecht die Angst vor „politischen Unfällen“ um. Auch Investoren befürchten, dass dort populistische Kräfte gewinnen könnten. Die Angst davor hat bereits dazu geführt, dass die Zinsabstände zwischen Bundesanleihen und den Staatspapieren anderer Euro-Länder deutlich gestiegen sind. Wenn die EZB ihre Geldpolitik strafft, könnte es dazu führen, dass die Zinsabstände sich noch ausweiten. Manche sprechen deshalb schon von einer Rückkehr der Euro-Krise.

Deshalb sollte die EZB diese Wahlen abwarten. Sollten diese die Währungsunion nicht in Turbulenzen stürzen, wäre es dann allerdings an der Zeit, dass die Notenbanker den Einstieg in den Ausstieg signalisieren und dabei zeigen, dass sie einen überzeugenden Exit-Plan haben.

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