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200. Montagsdemonstration am Frankfurter Flughafen im Terminal 1 am 30.01.2017.

Kommentar: Die Nordwestbahn bleibt, der Zorn auch

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Fünf Jahre und drei Monate ist es nun her, dass die Landebahn Nordwest in der Rhein-Main-Region eine neue Einflugschneise aufgerissen hat. Seitdem nagt der zusätzliche Fluglärm am Nervenkostüm vieler Menschen. In Flörsheim, den Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad, aber auch im weiter entfernt gelegenen Mühlheim etwa sind die Bewohner zornig und entsetzt über den Geräuschpegel, der seitdem über ihren Dächern herrscht. Der Unmut darüber spiegelt sich in den Montagsdemos wider, zu denen sich meist Hunderte, manchmal aber auch Tausende Demonstranten im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens treffen – gestern zum 200. Mal.

Fünf Jahre und drei Monate ist es nun her, dass die Landebahn Nordwest in der Rhein-Main-Region eine neue Einflugschneise aufgerissen hat. Seitdem nagt der zusätzliche Fluglärm am Nervenkostüm vieler Menschen. In Flörsheim, den Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad, aber auch im weiter entfernt gelegenen Mühlheim etwa sind die Bewohner zornig und entsetzt über den Geräuschpegel, der seitdem über ihren Dächern herrscht. Der Unmut darüber spiegelt sich in den Montagsdemos wider, zu denen sich meist Hunderte, manchmal aber auch Tausende Demonstranten im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens treffen – gestern zum 200. Mal.

Unermüdlich tragen Mitglieder vieler Bürgerinitiativen, aber auch Ärzte, Arbeiter und Rentner, die nicht in Bündnissen organisiert sind, ihren Frust dorthin, wo er verursacht wird: an Deutschlands größten Flughafen. Ihre Ziele: zwei Stunden mehr Nachtruhe, eine Deckelung der Flugbewegungen auf 380 000 und eine Schließung der Nordwestbahn. Vor allem der letzte Punkt ist unrealistisch, blendet er doch Recht und Gesetz aus und wäre wirtschaftspolitisch schwer vermittelbar. Punkt eins wäre zwar wünschenswert, wird aber von den internationalen Airlines als zu enges Korsett abgelehnt. Nicht vergessen werden sollte dabei auch, dass wir es erst dem Bau der Landebahn zu verdanken haben, dass wir seit 2011 überhaupt ein Nachtflugverbot haben, das uns immerhin von 23 bis 5 Uhr sechs Stunden Ruhe gönnt. Das war der Deal, der im mehrjährigen Mediationsverfahren mühsam ausgehandelt worden war. Bleibt noch die Hoffnung auf eine Deckelung der Flugbewegungen. Damit stoßen die Montagsdemonstranten zumindest teilweise auf Gehör bei Hessens grünem Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir mit der von ihm angepeilten Lärmobergrenze.

Die unermüdlichen Montagsdemonstranten haben aber noch mehr kleine Erfolge zu verbuchen, zu denen sie zwar nicht allein, aber doch nicht ganz unwesentlich beigetragen haben: Die Schaffung einer Stabsstelle Fluglärm bei der Stadt Frankfurt etwa. Vor allem aber haben sie mit höchstrichterlicher Absegnung erreicht, dass der Flughafenbetreiber Fraport ihren Protest jede Woche aufs Neue in seinem Terminal hinnehmen muss und damit auch bei Fraport das Bewusstsein verstärkt, dass die Bemühungen um eine Eindämmung des Fluglärms bei den Lärmverursachern nicht nachlassen dürfen.

Zugleich sollten aber auch die Demonstranten nicht ausblenden, dass am Flughafen – trotz derzeit rückläufiger Passagierzahlen – durch den Ausbau viele neue Jobs entstanden sind, was nicht unwesentlich zur Prosperität der Region beiträgt. Zudem gilt es in einer Demokratie parlamentarische Mehrheitsentscheidungen zu respektieren – auch wenn es für den ein oder anderen persönlich schmerzlich ist. Und die Ausbaugegner konnten nunmal bei keiner Landtagswahl genügend Wähler für ihre Ziele mobilisieren, um den Bau der Landebahn oder des geplanten dritten Terminals zu verhindern.

christiane.warnecke@fnp.de

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