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Bereit zum Angriff: Francesco Friedrich und sein Anschieber Thomas Margis.

Olympia

Kommentar: Die politischen Spiele

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Die Winterolympiade in Pyeongchang, die morgen zu Ende geht, dürfte vor allem durch zwei Dinge im Gedächtnis haften bleiben: Neben der Medaillenflut für Deutschlands Sportler waren es die politische Signale, die von diesem Hochamt des globalen Spitzensports ausgegangen sind.

Die Winterolympiade in Pyeongchang, die morgen zu Ende geht, dürfte vor allem durch zwei Dinge im Gedächtnis haften bleiben: Neben der Medaillenflut für Deutschlands Sportler waren es die politische Signale, die von diesem Hochamt des globalen Spitzensports ausgegangen sind.

Das muss man sich mal vergegenwärtigen: Kurz vor dem Beginn der Spiele stand die Welt noch am Rande eines Atomkriegs zwischen den USA und Nordkorea. Und dann herrschte in den vergangenen 15 Tagen eine derartige Atmosphäre der Entspannung und des Aufeinanderzugehens, dass einem all das Säbelrasseln und die martialischen Wortschlachten zwischen Pjöngjang und Washington zuvor fast wie ein böser Albtraum vorkamen.

Gerade Kim Jong Un zog dabei alle Register. Statt wie sonst mit seinem Waffenarsenal zu drohen, schickte der Diktator seine jüngere Schwester Kim Yo Jong und damit erstmals ein Mitglied der Herrscherfamilie in den Süden. Nicht zu vergessen die übrigen Funktionäre, die Sportler, die Musikkapelle und natürlich die bizarre weibliche Klatschbrigade zur Unterstützung der nordkoreanischen Athleten, die den 38. Breitengrad überschreiten duften. Hat womöglich der heute schal klingende Begriff vom olympischen Frieden in Korea fröhliche Wiederauferstehung gefeiert? Konnte der Sport auf einmal wieder jenseits von Dopingsumpf und Kommerzialisierung seine integrative Kraft entfalten und zur Völkerverständigung beitragen?

Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und gerade im Falle dieses so brandgefährlichen, weil unberechenbaren Krisenherds ist größte Vorsicht geboten. Denn so künstlich und vordergründig wie Kims Jubeltruppe auf den Tribünen Pyeongchangs ist auch dessen Charmeoffensive. Das wird sich sehr schnell zeigen. Spätestens wenn morgen das olympische Feuer erlöscht respektive die Paralympischen Spiele am 18. März enden, wird es die verschobenen gemeinsamen südkoreanischen-amerikanischen Militärmanöver geben, wird sich wiederum der Norden provoziert fühlen. Und schon bald wird sich herausstellen, dass der schöne Traum von einer Wiedervereinigung der beiden Koreas solange nicht möglich ist, wie das Kim-Regime sein Volk unterdrückt und weiterhin sein Atomwaffenarsenal ausbaut, um sich unangreifbar zu machen.

Dennoch könnte es kontraproduktiv sein, wenn die USA nun die, wie Trump ankündigte, „größten Sanktionen aller Zeiten“ gegen Nordkorea verhängen. Denn wenn die politischen Spiele von Pyeongchang neben der Atempause vom Kalten Krieg einen positiven Effekt haben, ist es dieser: Die verfeindeten koreanischen Brüder haben den zuvor abgerissenen Gesprächsfaden wieder geknüpft. Den zu zerstören, dürfte fatal sein.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf dieser Seite und Seite 31

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