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Sarah Wagenknecht

Die Linke

Kommentar zu Sahra Wagenknecht: Umstrittener Star der Linkspartei

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Die Linke hinkt ihren Ansprüchen laut unseres Politikchefs Dieter Sattler weit hinterher. "Für eine Partei, die immer noch beansprucht, Speerspitze des Fortschritts zu sein, ist das eindeutig zu wenig. Bundesweit fehlt eine Machtperspektive", schreibt er in seinem Kommentar. 

Die Partei Die Linke hinkt ihren Ansprüchen weit hinterher. Im Osten ist sie zwar weiterhin zweistellig, sie stagniert aber, weil die AfD ihr den Rang bei den Unzufriedenen abgelaufen hat. Im Westen hat die Linke weiterhin Mühe, über die fünf Prozent zu kommen. Das macht gesamtdeutsch ein Ergebnis von acht bis neun Prozent.

Für eine Partei, die immer noch beansprucht, Speerspitze des Fortschritts zu sein, ist das eindeutig zu wenig. Bundesweit fehlt eine Machtperspektive. Rot-Rot-Grün rückt in immer weitere Ferne. Weil das potenzielle Linksbündnis zum einen seit rund sechs Jahren bis zu 20 Prozent weniger als Union, FDP, Freie Wähler und AfD einfährt. Und weil zum anderen die Grünen immer deutlicher zur Union neigen. Schwarz-Grün hätte im Moment, so wie in Hessen, als einziges Zweierbündnis auch bundesweit eine Mehrheit.

Dieter Sattler

Vor diesem Hintergrund gilt es für die Linke, bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen zumindest ihre Claims im Osten zu verteidigen, allen voran den Ministerpräsidentenposten von Bodo Ramelow in Erfurt. Doch das wird schwer, da sich die Partei in den vergangenen Monaten vor allem als extrem zerstrittener Haufen präsentierte. Die Differenzen prägen auch die aktuelle Klausurtagung, bei der man sich nach außen möglichst harmonisch präsentieren wollte. Der Riss vor allem zwischen Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und den Parteivorsitzenden Katja Kipping sowie Bernd Riexinger ist kaum noch zu kitten. Wagenknecht will, unterstützt von ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Chef und Linken-Mitbegründer, die Partei in der Flüchtlingsfrage weiter nach rechts rücken, weil viele aus der Linken-Klientel fürchten, dass die Zuwanderung von Millionen auf Kosten ihrer sozialen Ansprüche gehen könnte. Kipping und Riexinger wollen um jeden Preis an der Prämisse des Internationalismus und offenen Grenzen festhalten, selbst wenn das Stimmen kostet. Da dies wohl die Mehrheitsmeinung der Partei ist, wäre Wagenknecht längst entmachtet worden, wenn sie nicht nach dem Rückzug von Lafontaine und Gregor Gysi einziger verbliebener Star der Linken wäre. Nur Wagenknecht kann Säle und Plätze füllen.

Der Erfolg ist ihr so zu Kopf gestiegen, dass sie davon träumte, mit ihrer Sammlungsbewegung eine linke Macron zu werden. Aber bisher erwies sich „Aufstehen“ als Rohrkrepierer. Sie konnte trotz vieler Klicks im Netz nur ein paar Abtrünnige von SPD und Grünen gewinnen. Bei ihrer Partei hat sie an Einfluss verloren, weil ihre Gegner sie als Spalterin hinstellen konnten. Und an diesem Vorwurf ist auch was dran. Denn wenn es gelungen wäre, große Teile von SPD und Grünen zu gewinnen, hätte die Linke nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Aber Wagenknecht selbst wäre ganz vorne gewesen.

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