Kommentar zur Schule: Bildungspolitik mit Luft nach oben

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Ist Hessen nun ein Land, in dem im übertragenen Sinne bildungspolitisch Milch und Honig fließen? So stellte jedenfalls Kultusminister Alexander Lorz in seinem Ausblick auf das am Montag beginnende

Ist Hessen nun ein Land, in dem im übertragenen Sinne bildungspolitisch Milch und Honig fließen? So stellte jedenfalls Kultusminister Alexander Lorz in seinem Ausblick auf das am Montag beginnende neue Schuljahr die Situation an den Lehranstalten dar. Überspitzt formuliert. Oder ist Hessen eine Art schulisches Katastrophengebiet mit einem Verantwortlichen, der die Realität hinter seiner rosa Brille nicht wahrnehmen will? In diesen düsteren Farben malten SPD, FDP und Linke die Politik des Amtsinhabers. Mehr oder weniger.

Natürlich schwingt bei all dem eine Menge Wahlkampfgetöse mit. Schließlich ist die Bildung eines der heißen Eisen der Landespolitik. Zudem ein emotional besetztes Thema, bei dem fast jeder etwas zu sagen hat. Tatsache ist jedoch, dass sich in den letzten Jahren einiges getan hat, um Hessens Lehranstalten fit zu machen. Schulen wurden saniert, und besonders mit einer bemerkenswerten Einstellungs- und Ausbildungsoffensive von Lehrern hat das Kultusministerium kräftig umgesteuert. Dies vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen wie der Eingliederung von Zehntausenden Flüchtlingen oder dem Konkurrenzkampf der Bundesländer auf dem hart umkämpften Lehrermarkt. Allerdings auch nachdem die Politik es zuvor jahrelang versäumt hatte, rechtzeitig die Weichen zu stellen. Die Folgen waren ein gravierender Lehrermangel und marode Schulen.

Bei allem Verständnis dafür, dass der Kultusminister vor der Wahl mit Rekordzahlen glänzen will, kann keine Rede davon sein, dass alles im grünen Bereich ist. So dauert es noch eine Weile, bis der erfolgreich angeworbene pädagogische Nachwuchs zum Einsatz kommt. Auch bei der Qualifikation mancher Quereinsteiger, die den Lehrermangel teilweise auffangen sollen, ist offenbar Luft nach oben. Nach wie vor fehlt auch eine zentrale Erfassung und Auswertung von Unterrichtsausfällen oder Krankenständen, was für eine effiziente Planung erforderlich wäre. Dass sich Schwarz-Grün dem bisher mit dem Argument verweigert, damit ein „bürokratisches Monster“ zu schaffen, leuchtet nicht wirklich ein.

In solchen Bereichen nachzujustieren, würde der Bildungspolitik bestimmt nicht schaden. Ansonsten dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis wieder Klagen über Unterrichtsausfälle aufkommen und Grundschulen Überlastungsanzeigen nach Wiesbaden schicken.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf Seiten 1, 7 und Lokales

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