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Horst Seehofer (CSU)

Politik

Kommentar zu Seehofer: Überfälliger Rücktritt

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Für überfällig hält Politikchef Dieter Sattler den Rücktritt von „Crazy Horst“. Ein Kommentar.

Horst Seehofer (CSU)

Es war Anfang Juli, da Horst Seehofer begann, seinem Spitznamen „Crazy Horst“ (verrückter Horst) alle Ehre zu machen. Bis dahin war der Bundesinnenminister zumindest im konservativen Spektrum noch ein geachteter Mann. Alle Äußerungen zur Flüchtlingskrise entsprachen dem, was man von einem CSU-Chef erwartet. In der Öffentlichkeit ungehörig benommen hatte er sich nur, als er beim CSU-Parteitag 2015 die neben ihm stehende und von ihm eingeladene Kanzlerin abkanzelte wie ein Schulmädchen.

Aber inhaltlich hatte ihm selbst die linksliberale „Zeit“ noch im Frühsommer attestiert, in der Wortwahl niemals übergriffig geworden zu sein. Demnach war das Etikett „Populist“ ungerecht, das ihm gerne von Linken angeklebt wurde und schon in AfD-Richtung weisen sollte. Doch im Sommer entwickelte sich Seehofer dann zur „loose cannon“ (lose Kanone), deren politisches Aus fast zwangsläufig ist.

Bis er im Hochsommer seinen Masterplan zur Migration vorlegte, hatte Seehofer in vielem die Mehrheit der Deutschen hinter sich. Auch die Forderung, die zum Karriereknick wurde, war zunächst korrekt. Seehofer forderte entsprechend des Dublin-Abkommens, Asylsuchende an der deutschen Grenze zurückzuweisen, wenn sie in einem anderen EU-Land registriert waren. Aber dann drehte Seehofer ab ins Irrationale.

Dieter Sattler

Er setzte unter Inkaufnahme einer möglichen Trennung von CDU und CSU einen EU-Gipfel durch. Bei diesem handelte die von ihm unter Druck gesetzte Merkel einiges heraus. Aber Seehofer war immer noch nicht zufrieden und verärgerte die eigene Partei. Sein Rücktrittsangebot wurde nur wegen des Wahlkampfes nicht angenommen. Aber es war klar, dass er als CSU-Chef nach der Bayern-Wahl abtreten würde. Er will noch Innenminister bleiben, um nicht vor Merkel das Feld zu räumen. Aber sie könnte ihn politisch überleben. Denn nach dem Verlust des Parteiamts wird sich Seehofer noch weniger als Merkel in der Regierung halten können. Schließlich sie ist in der Achtung ihrer Partei längst nicht so tief gesunken wie Seehofer. Hat sie also doch gegen ihn gewonnen?

dieter.sattler@fnp.de Berichte auf Seiten 1 und 2

Der Hubschrauber mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an Bord muss am Flughafen Frankfurt notlanden. Flugbetrieb wurde eingestellt.

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