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Kommentar: Sicherheit im Stadion ist Sache des Staates

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Natürlich kann sich die versammelte deutsche Fußball-Welt in dieser Frage nicht der Verantwortung entziehen. Mit Sicherheit sind ihre Vertreter gefordert, wenn es darum geht, handfeste Ausschreitungen und andere Ausfallerscheinungen sogenannter Fans in den Griff zu bekommen, selbst wenn das alles nur am Rande etwas mit dem eigentlichen Kick zu tun hat. Vereine und Verbände aber für Polizei-Einsätze bezahlen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Die öffentliche Sicherheit ist Sache des Staates. Seine Institutionen entscheiden, wie mit etwaigen Gefahrenlagen umzugehen ist – und haben auch die daraus resultierenden Kosten zu tragen.

Natürlich kann sich die versammelte deutsche Fußball-Welt in dieser Frage nicht der Verantwortung entziehen. Mit Sicherheit sind ihre Vertreter gefordert, wenn es darum geht, handfeste Ausschreitungen und andere Ausfallerscheinungen sogenannter Fans in den Griff zu bekommen, selbst wenn das alles nur am Rande etwas mit dem eigentlichen Kick zu tun hat. Vereine und Verbände aber für Polizei-Einsätze bezahlen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Die öffentliche Sicherheit ist Sache des Staates. Seine Institutionen entscheiden, wie mit etwaigen Gefahrenlagen umzugehen ist – und haben auch die daraus resultierenden Kosten zu tragen.

Im hessischen Innenministerium scheint man das ähnlich zu sehen, anders als in Bremen. Auch aus praktischen Gründen. Wo soll man Grenzen ziehen, festlegen, bei welchen Terminen welche Vereine zur Kasse gebeten werden? Wie ist das bei kleineren Sportveranstaltungen, bei denen die Gewaltbereitschaft drumherum gewiss geringer ausfällt, aber auch Staatsbeamte gefordert sind? Bei Konzerten oder Volksfesten? Der Verweis auf die im modernen Fußball umgesetzten Unsummen hilft nicht weiter. Das Oktoberfest ist auch keine rein gemeinnützige Veranstaltung, und aus der Bier-Kasse werden 1896 Polizei-Einsätze während zweieinhalb Münchner Wiesn-Wochen 2017 trotzdem nicht bezahlt. Nebenbei führen die Bundesliga-Clubs übrigens Milliarden an Steuern ab.

So unabdingbar es ist, dass Freunde und Helfer zur Stelle sind, wenn Gewalt droht, gibt es in diesem Zusammenhang noch andere schwierige Gemengelagen. Viele ganz unverdächtige Fußball-Liebhaber etwa haben schon unliebsame Erfahrungen gemacht mit unverhältnismäßigem Staatshandeln. Einen besonders überzogenen Fall polizeilichen Vorgehens erlebten Fans der Frankfurter Eintracht 2009 in Bremen, dort, wo nun die ersten Rechnungen geschrieben wurden. Sollen die Vereine dann etwa noch eine Zulage zahlen, wenn sich die Behörden derart vergaloppieren, zum Schaden ihrer Fans? Für die Sicherheit im Stadion sind sie zuständig. Dafür haben sie Ordnungsdienste, dafür stellen sie der Polizei die nötige Infrastruktur, etwa die moderne Videoüberwachungsanlage in der Frankfurter Arena. Die Clubs sind auch gefordert, auf ihre Fan-Szene so einzuwirken, dass der friedliche Rahmen gewahrt bleibt. Was man im Dialog erreichen kann, war gerade bei den Montags-Demos in Frankfurt gegen die ungeliebte neue Anstoßzeit zu sehen. Präventionsarbeit ist ein schwieriges Geschäft, und sie wird nicht alle Übel beseitigen. Sie führt aber weiter als populistische Diskussionsbeiträge.

markus.katzenbach@fnp.de Berichte auf Seiten 1 und 26

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