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Kommentar: Man sollte Trump nicht unterschätzen

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Es stimmt, dass US-Präsident Donald Trump bei der Wahl im November 2016 einige Millionen Stimmen weniger als seine demokratische Herausforderin Hillary Clinton gewonnen hatte. Es ist richtig, dass sich Donald Trump in seinem ersten Amtsjahr oft danebenbenommen und kein Fettnäpfchen ausgelassen hat. Und ja, viele seiner Tweets ließen nicht nur daran zweifeln, ob er für einen Präsidenten ausreichend informiert ist, sondern auch, ob er die nötigen charakterlichen Eigenschaften für diesen Posten mitbringt.

Es stimmt, dass US-Präsident Donald Trump bei der Wahl im November 2016 einige Millionen Stimmen weniger als seine demokratische Herausforderin Hillary Clinton gewonnen hatte. Es ist richtig, dass sich Donald Trump in seinem ersten Amtsjahr oft danebenbenommen und kein Fettnäpfchen ausgelassen hat. Und ja, viele seiner Tweets ließen nicht nur daran zweifeln, ob er für einen Präsidenten ausreichend informiert ist, sondern auch, ob er die nötigen charakterlichen Eigenschaften für diesen Posten mitbringt.

Das stimmt ja alles. Aber Trumps erstes Amtsjahr, das mit der Rede zur Lage der Nation abgeschlossen wurde, hat auch gezeigt, dass man ihn nicht unterschätzen darf. Ein Wahlsieg der Demokraten bei den „Midterms“ (Halbzeitwahlen) und erst recht bei der nächsten Präsidentenwahl 2020 ist höchst ungewiss. Fast alles, was Demokraten und viele Europäer an Trump stört, begeistert seine Anhänger. Er ist auf seine Weise rhetorisch geschickt. Und er hat ähnlich wie der anfangs ebenfalls unterschätzte Ronald Reagan zumindest in der Wirtschaftspolitik einiges vorzuweisen. Die USA boomen. Trump regiert das Land eigentlich nicht wie ein Politiker, sondern wie ein Geschäftsmann, der eine Firma führt. So ist er auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos aufgetreten und hat den ein oder anderen Achtungserfolg errungen. Ob seine Steuerreform oder die Rücknahme von Obamas Gesundheitsreform gerecht sind, darf bezweifelt werden, aber Trump hat mit seinen Deregulierungsmaßnahmen zweifellos für neue ökonomische Dynamik gesorgt.

Wenn er jetzt bei seiner Rede fragte, warum einst das Empire State Building in einem Jahr gebaut werden konnte, es aber heute allein für die Genehmigung einer einfachen Straße zehn Jahre braucht, wird er auch vielen in Deutschland aus dem Herzen sprechen, die fragen, warum es mit dem Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder dem Bau dringend gebrauchter Wohnungen nicht voran geht. Dass Trump ähnlich wie die von ihm bewunderten und als Rivalen gefürchtete Chinesen zugunsten von Baumaßnahmen und Energiegewinnung aus fossilen Quellen Umweltbelange ignoriert, steht auf einem anderen Blatt. Er hat seinen Anhängern Jobs versprochen. Und die bekommen sie – zumindest teilweise.

Auch der demokratische Ex-Präsident Bill Clinton hat gewusst, das man Wahlen am ehesten über eine florierende Wirtschaft gewinnt („It’s the economy stupid – es ist die Wirtschaft, Dummkopf“). Donald Trump ist vielleicht ungebildet und nicht sehr belesen, aber er ist clever und skrupellos. Deshalb ist er ein Gegner, den man nicht unterschätzen sollte.

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf Seite 3

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