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Kommentar zu Syrien: Wenn Eigennutz Chaos anrichtet

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Donald Trump beschließt in einem einsamen Beschluss, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Ein fataler Fehler findet unser Kommentarschreiber Klaus Späne. 

Wenn in diesen Tagen Ausblicke auf 2019 geworfen werden, dürfte die außenpolitische Perspektive wenig hoffnungsvoll ausfallen. Zwei unter vielen Gründen sind die Entwicklung in Syrien und das desaströse Erscheinungsbild, das kurz vor dem Jahreswechsel die USA bieten. Beides ist derzeit besonders eng miteinander verwoben, nachdem Donald Trump mit seinem einsamen Beschluss, die US-Truppen abzuziehen, eindrucksvoll demonstriert hat, was für eine Fehlbesetzung er im Weißen Haus ist. Wieder einmal, muss man sagen.

Bleiben wir zunächst bei dem nahöstlichen Land. Es ist unter den vielen Symbolen für die aus dem Gleichgewicht geratene Welt das vielleicht brutalste. Seit bald acht Jahren leidet Syrien unter einem irrsinnigen Jeder-gegen-Jeden-Gemetzel. Von einem anfangs begrenzten hat sich dieses zu einem überregionalen Konflikt entwickelt, der zugleich die heutigen Bruchstellen im komplizierten internationalen Machtgefüge aufzeigt. Gleichzeitig ist Syrien ein Symbol für die Verzagtheit und Schwäche des Westens. Eine Folge davon ist, dass dort nun die nach größeren Einflusszonen strebenden Länder Russland und Iran sowie zuletzt immer stärker auch das Nato-Mitglied Türkei den Ton angeben.

Als wäre das alles nicht schon tragisch genug, setzt Trump dem Ganzen mit dem Truppenabzug die Krone auf. Natürlich sind die in Nordsyrien stationierten rund 2000 US-Soldaten kein entscheidender Faktor. Allein mit ihrer Präsenz haben sie dennoch dazu beigetragen, dass Schlächter wie Assad und über Leichen gehende Autokraten wie Putin und Erdogan nicht vollends freie Hand hatten. Nun aber droht eine weitere Eskalation, wenn die Türken wohl demnächst zum Sturm auf die Kurden blasen. Und wenn Israel, wie angekündigt, massiver gegen die iranische Präsenz in Syrien vorgeht, könnte dies wie ein Brandbeschleuniger für einen endgültig ausufernden Krieg wirken. Ganz zu schweigen von der IS-Terrororganisation, die sich wieder zu stabilisieren scheint.

Folgen hat dies auch für Deutschland. Umso mehr als der Twitter-Präsident im Weißen Haus mit dem Gedanken spielt, die Hälfte der US-Soldaten aus Afghanistan zurückzubeordern. Das wäre nicht nur das Aus für die dortige Mission der Bundeswehr. Bei einer Zuspitzung der Lage in Syrien und Afghanistan droht eine weitere humanitäre Katastrophe inklusive einer neuen Fluchtbewegung Richtung Europa.

„In der Politik ist Dummheit kein Handicap“ ist ein Zitat, das Napoleon Bonaparte zugeschrieben wird. Fast 200 Jahre später hat es immer noch Gültigkeit, wenn man sich die Vorgänge in Washington betrachtet. Aus reinem Eigennutz respektive Machterhalt und unter völliger Ausblendung der gravierenden Konsequenzen seines erratischen Handelns sorgt dort gerade der Führer einer der wichtigsten Nationen dieses Planeten dafür, das herrschende Chaos auf der Welt noch zu vergrößern. Fürwahr keine guten Aussichten für 2019

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