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Eine Computergrafik zeigt das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen.

Terminal 3

Kommentar: Unser Freund, der Baum

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Dieser Satz von Peter Illert, Aktivist der Robin Wood-Regionalgruppe Rhein-Main, lässt aufhorchen: Der Erhalt des Waldes, sagt der Naturschützer, der gestern noch im Treburer Oberwald gegen die drohende

Dieser Satz von Peter Illert, Aktivist der Robin Wood-Regionalgruppe Rhein-Main, lässt aufhorchen: Der Erhalt des Waldes, sagt der Naturschützer, der gestern noch im Treburer Oberwald gegen die drohende Rodung für das Terminal 3 protestiert hat, sei gerade bei jungen Leuten nicht mehr „in“. Die demonstrierten lieber gegen Braunkohle oder Massentierhaltung. Wenn diese Beobachtung zutrifft: Was mag schief gelaufen sein im fragilen Verhältnis zwischen Mensch und Baum?

Paradoxerweise dürften es gerade die Warnungen vor der völligen Vernichtung des Waldes gewesen sein, die ihm langfristig im Bewusstsein großer Teile der Öffentlichkeit geschadet haben. Seit den 70er-Jahren, befeuert durch die Thesen des „Club of Rome“, mehrten sich gerade in Deutschland diese Kassandrarufe. Anfang der Achtziger schien das Schicksal des deutschen Waldes besiegelt. Die Angst vor dem Tod der Bäume trieb damals Zehntausende auf die Straße – und bahnte den Grünen den Weg in die Parlamente. Doch die Forst-Apokalypse fiel aus. Dem Patienten Wald geht es heute verhältnismäßig gut, wie der jährliche Waldschadensbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bestätigt, der 1989 verschämt in „Waldzustandsbericht“ umbenannt wurde. Darum sieht sich mancher, der heute noch Partei für den Forstschutz ergreift, Skepsis oder gar Ablehnung gegenüber – sie sind die Folgen des Fehlalarms und der Hysterie jener Zeit.

Wer das Waldsterben indes als Märchen abtut, vergisst: Erst die Maßnahmen, die man aufgrund der Warnungen in den achtziger Jahren ergriff, etwa die Senkung des Schwefelanteils beim Heizöl und die Einführung von Autokatalysatoren, haben Zustände verhindert, wie sie in Teilen Osteuropas eingetreten sind. Und gebannt ist die Gefahr für unsere heimischen Bäume keinesfalls: Klimastress, Pilzkrankheiten sowie invasive Arten machen ihnen zu schaffen.

So oder so: Ernsthaft kommt niemand umhin, die Bäume und uns als eine schützenswerte Schicksalsgemeinschaft zu verstehen, die tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt ist. Archäologen fanden babylonische Keilschriften, die besagen, dass die Wälder das Leben eines Landes sind. Unsere Vorfahren verehrten Bäume als Mittler zwischen Erde und Universum. Martin Luther mahnte uns, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen, wenn morgen die Welt unterginge. Alexandra sang 1968 „Mein Freund, der Baum“ – ein bei aller Melodramatik großartiges Lied, das bis heute einen Nerv trifft. Und schließlich erzählt uns Autor Peter Wohlleben faszinierende Geschichten über die erstaunlichen Fähigkeiten von Eiche, Esche und Co.: „Das geheime Leben der Bäume“ ist eines der meistverkauften Sachbücher der vergangenen Jahre. Aus all dem folgt: Es ist Zeit – und zwar ganz ohne Alarmismus und Hysterie – den zu schützen, der uns schützt und der uns leben lässt: unseren Freund, den Baum.

michael.forst@fnp.de Bericht auf Hessen und im Lokalen

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