+
Caracas, die Hauptstadt Venezuelas

Bürgerkrieg

Kommentar: Venezuela - Internationaler Konfliktherd droht

  • schließen

In Venezuela droht ein blutiger Bürgerkrieg. Das könnte dann auch ein internationaler Brandherd werden. Denn die beiden Kontrahenten haben einschlägige Unterstützer.

Hunger kann Revolutionen auslösen. Das war 1789 in Frankreich so und könnte jetzt auch in Venezuela der Fall sein. Man stelle sich vor, es müssten zehn Millionen Deutsche wegen Hungers und fehlender Medizin ins Ausland fliehen. Und viele von dem großen Rest wären auch am Hungern. In Venezuela sind solche Verhältnisse leider real. Denn von 30 Millionen Einwohnern sind zehn Prozent geflohen, also drei Millionen.

Die Armut ist letztlich Folge der Monokultur, die in Venezuela herrscht. Seit dem Wahlsieg des Ex-Oberstleutnants Hugo Chavez im Jahr 1998 hatte die Regierung in Caracas ausschließlich auf den Ölreichtum gesetzt. 95 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Export des schwarzen Goldes. Da im Land sonst kaum etwas produziert wurde, musste alles importiert und mit Öl bezahlt werden. Während Chavez in seiner Amtszeit das Volk mit milden Gaben ruhigstellen konnte, trat sein Nachfolger Nicolás Maduro nach dem Tod von Chavez (2013) ein schweres Erbe an. Er hat weniger Charisma, aber vor allem weniger Geld als Chavez. Denn der Ölpreis ist stark gesunken. Mangels produktiver Alternativen wurde Geld gedruckt. Dessen Wert verfiel. Die Armut stieg. Sozialistische Misswirtschaft pur. Das Volk begann zu murren, und die bis dahin chancenlose demokratische Opposition bekam mehr Rückhalt auf der Straße. Ihr klarer Wahlsieg bei der Wahl 2015 war die Folge.

Wie viele autoritäre Führer arbeitete Maduro dann eifrig daran, die Gewaltenteilung abzuschaffen. Er missachtete die Rechte des Parlaments. Oppositionschef Leopoldo López wurde verurteilt und steht unter Hausarrest. Bei der Präsidentenwahl im vergangen Jahr wurden viele Kandidaten nicht zugelassen. Deshalb wird Maduro vom Parlament nicht mehr anerkannt. Dessen Vorsteher Juan Guaidó hat sich jetzt zum Präsidenten ausgerufen. Ihm fehlt aber der Rückhalt des Militärs, dessen obere Chargen zu Maduro stehen. Denn sie dürfen sich immer noch als erste an dem wenigen bedienen, das von Venezuelas Reichtum geblieben ist. Bei den Revolutionären gibt es aber Hoffnung auf Unterstützung durch die Militärs im Mittelbau, die qua Einkommen und Mentalität näher beim Volk sind.

Trotz der von beiden Seiten bekundeten Dialogbereitschaft droht ein blutiger Bürgerkrieg. Das könnte dann auch ein internationaler Brandherd werden. Denn die beiden Kontrahenten haben einschlägige Unterstützer. Hinter die Revolte haben sich sofort die Präsidenten der USA und Brasiliens gestellt, was wegen deren eigenen autoritären Gebarens bei anderer wirtschaftlicher Interessenlage auch anders sein könnte. Wegen ihrer Rechtslastigkeit können sie dem Lager Guaidó auch schaden. Auch die EU und Deutschland stehen mehr oder weniger entschlossen hinter Guaido. Um Maduro versammeln sich, neben den linken lateinamerikanischen Ländern Kuba, Nicaragua und Bolivien, vor allem das wirtschaftlich eng mit Venezuelas Ölindustrie verbundene Russland, der Iran, China und die Türkei – Länder, denen Demokratie nicht wichtig ist. International zeigt sich also wieder die gewohnte Polarisierung, die fast schon an die Konstellation im Kalten Krieg erinnert, als es auf der ganzen Welt Stellvertreterkriege gab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare