Kommentar: Ära der Versäumnisse

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„Er war stets sehr bemüht, ohne jedoch große Erfolge vorweisen zu können.“ So ist zu interpretieren, was der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG gestern zum Rücktritt seines Vorstandschefs Rüdiger Grube verlautbaren ließ. Tatsächlich ist die Bilanz des 2009 angetretenen Managers eher mau. Zwar gelang es dem stets jovialen und freundlichen Nachfolger des polternden Hartmut Mehdorn den Staatskonzern zu befrieden und das arg strapazierte Verhältnis zur Politik zu kitten. Ansonsten ist Grubes Amtszeit aber vor allem von Versäumnissen geprägt: Zu lange hat er zugeschaut, wie die Fernbusse den ICs und ICEs Kunden abspenstig machen, wie die private Konkurrenz im Nahverkehr dem Staatskoloss immer mehr Marktanteile abknöpft und die Güterbahntochter DB Cargo in eine existenzielle Krise gefahren ist. Erst Ende 2015 hat er mit dem Reformprojekt „ZukunftBahn“ begonnen, entschlossen gegensteuern. Zu spät, um rechtzeitig zur Vertragsverlängerung nachhaltige wirtschaftliche Erfolge präsentieren zu können. Nach wie vor verdient der Konzern nicht genug Cash, um seinen Investitionen finanzieren zu können; und die Schulden türmen sich höher denn je.

„Er war stets sehr bemüht, ohne jedoch große Erfolge vorweisen zu können.“ So ist zu interpretieren, was der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG gestern zum Rücktritt seines Vorstandschefs Rüdiger Grube verlautbaren ließ. Tatsächlich ist die Bilanz des 2009 angetretenen Managers eher mau. Zwar gelang es dem stets jovialen und freundlichen Nachfolger des polternden Hartmut Mehdorn den Staatskonzern zu befrieden und das arg strapazierte Verhältnis zur Politik zu kitten. Ansonsten ist Grubes Amtszeit aber vor allem von Versäumnissen geprägt: Zu lange hat er zugeschaut, wie die Fernbusse den ICs und ICEs Kunden abspenstig machen, wie die private Konkurrenz im Nahverkehr dem Staatskoloss immer mehr Marktanteile abknöpft und die Güterbahntochter DB Cargo in eine existenzielle Krise gefahren ist. Erst Ende 2015 hat er mit dem Reformprojekt „ZukunftBahn“ begonnen, entschlossen gegensteuern. Zu spät, um rechtzeitig zur Vertragsverlängerung nachhaltige wirtschaftliche Erfolge präsentieren zu können. Nach wie vor verdient der Konzern nicht genug Cash, um seinen Investitionen finanzieren zu können; und die Schulden türmen sich höher denn je.

So verwundert es zwar nicht, dass die Bundesregierung gezögert hat, dem Wunsch des 65-Jährigen zu entsprechen, für weitere drei Jahre im Führerhaus des größten Staatskonzerns zu stehen. Ohnehin mag für einige im Aufsichtsrat schon die zweijährige Verlängerung ein Gnadenakt aus Mangel an Alternativen gewesen sein. Aber gerade eben wegen dieses Mangels hätten die Aufseher pragmatisch genug sein müssen, um Grubes Forderung erst einmal nachzugeben. Schließlich hatte dieser im vergangenen Jahr bereits gedroht, seine Kandidatur zurückziehen, wenn sein Vertrag nicht im Dezember verlängert werden sollte. Seitdem hat er öffentlich immer wieder betont, dass er keinem Amt hinterherlaufe. Den Mut tatsächlich zurückzutreten, haben die Aufseher dem als zögerlich und schwach geltenden Manager aber offenbar nicht zugetraut.

Und damit ist nun eingetreten, was die Bundesregierung vermeiden wollte: Dass sie ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl einen neuen Bahn-Chef suchen muss. Sich in Zeiten des Wahlkampfs auf einen Kandidaten zu einigen, wird CDU und SPD besonders schwerfallen. Hinzu kommt, dass immer noch unklar ist, nach welchen Kriterien der wohl schwierigste Chefposten in der deutschen Wirtschaft zu besetzen ist. Eine Frage, die im Grunde erst beantwortet werden kann, wenn endlich geklärt ist, was die Bahn AG überhaupt leisten soll. Soll der Konzern dem Eigentümer Bund eine möglichst hohe Dividende abliefern? Oder möglichst viele Fahrgäste am besten pünktlich, günstig und komfortabel von A nach B bringen, ohne dass der Fernverkehr profitabel sein muss? Ist das Schienennetz dafür da, einen hohen Profit zu erzielen? Oder sollen alle Eisenbahn-Gesellschaften möglichst geringe Trassenpreise für die Schienennutzung zahlen, um den Wettbewerb anzukurbeln? Nachdem 2009 der Börsengang der Bahn AG abgeblasen wurde, hat sich die Politik um die Beantwortung dieser Fragen gedrückt. Aber es ist höchste Zeit, dass sie endlich festlegt, wohin die Reise der Deutschen Bahn AG führen soll. Denn ohne klare verkehrspolitische Ziele wird auch ein Bahn-Chef, der entschlossener zu Werke geht als Grube, nicht reüssieren können.

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