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Generalsekretärin Katarina Barley wechselt ins Familienministerium

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Die schwere Erkrankung Erwin Sellering ist für ihn persönlich und sein Umfeld ein harter Schlag. Aber auf ganz andere Art ist davon auch die SPD als Partei getroffen.

Die schwere Erkrankung Erwin Sellering ist für ihn persönlich und sein Umfeld ein harter Schlag. Aber auf ganz andere Art ist davon auch die SPD als Partei getroffen. Dass ihm Manuel Schwesig als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern nachfolgt, ist logisch und ihr Wechsel für die SPD auch verkraftbar. Von dieser Position aus kann sie im Wahlkampf weiterhin präsent und ein Aushängeschild der Partei bleiben.

Aber die Art und Weise wie sie ersetzt wird, spricht Bände über das, was bei der SPD zuletzt falsch gelaufen ist: Mitten im Wahlkampf wechselt Generalsekretärin Katarina Barley ins bisher von Schwesig geführte Familienministerium. Diesen Job hätte übergangsweise bis zur Wahl am 24. September auch eine andere Person machen können. Aber dass die Generalsekretärin, die doch verantwortlich für den Wahlkampf ist, mitten in der heißen Phase abgezogen wird, offenbart das hohe Maß an Unzufriedenheit mit Barley. Natürlich ist nicht sie allein schuld an den drei Niederlagen bei Landtagswahlen und dem Hickhack um die Vorstellung des SPD-Wahlprogramms.

Doch Barley fehlt es offensichtlich an Erfahrung und politischem Urteilsvermögen, um hier produktiv im Sinne der Partei zu wirken. Sie war vor allem das sympathische Gesicht, das als Generalsekretärin die oft verkniffen wirkende Yasmin Fahimi ablöste. Aber sie ist eben auch kein Politprofi, was in diesem Job aber nötig ist. Und sie war eben auch nicht von Kanzlerkandidat Martin Schulz geholt worden, sondern von Sigmar Gabriel.

Barley hatte den neuen Chef in der Zeit des Umfragehochs auf eine fast naive Weise gelobpreist, aber das war, zumal nach den Rückschlägen, zu wenig für eine Generalsekretärin. Mit Matthias Machnig, dem früheren Leiter der legendären „Kampa“ des erfolgreichen Schröder-Wahlkampfes von 1998, versuchte Schulz bereits mehr Knowhow ins Team zu bringen. Barley wollte man wohl auch wegen der Außenwirkung nicht entlassen.

Jetzt nutzte man die Gelegenheit sie wegzuloben und ersetzt sie durch den erfahrenen Hubertus Heil, der den Job von 2005 bis 2009 schon mal machte, aber eben deshalb auch die schwere Wahlniederlage von Frank-Walter Steinmeier mitzuverantworten hat.

Blickt man von der SPD auf die CDU, wo mit Peter Tauber auch der „General“ bei der Wahlkampfplanung entmachtet wurde, kann man den Parteien nur empfehlen, bei der Auswahl des Personals sorgfältiger zu sein. Jung, sympathisch und dynamisch reicht eben nicht immer. Für manche Führungsaufgaben braucht man dazu auch noch eine ganz besondere analytische und strategische Intelligenz.

dieter.sattler@fnp.de

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