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Krankenkassen: Senkt endlich die Beiträge

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Politik-Redakteur Dieter Sattler kommentiert die aktuelle Lage rund um die Krankenkassen und ihre Beiträge.

Stellen Sie sich bitte mal einen Familienvater vor, der alljährlich alle Urlaubs- und Weihnachtswünsche der Kinder abschmettert, mit der Begründung: Die Kasse sei zwar gut gefüllt, aber man müsse Vorsorge für das nächste Jahr treffen. Wer wisse schon, ob es mit den Finanzen so gut weitergehe. Aber im nächsten Jahr gibt es dann das gleiche Spiel, obwohl die Kasse jetzt noch voller ist. So wie unser Familienvater verhalten sich die Krankenkassen gegenüber den Beitragszahlern.

Dieter Sattler

Man kann die alte Leier nicht mehr hören. Die Kassen schwimmen im Geld, aber wollen mit den Beiträgen nicht runter. Mit 21 Milliarden Euro verfügen sie jetzt über das Vierfache dessen, was gesetzlich als Rücklage gefordert ist. Die Krankenkasse ist aber keine Sparkasse, auch wenn sie dem Einleger genauso wenig Zinsen einbringt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat recht, wenn er eine Beitragssenkung fordert.

Gerade die Mittelschicht, die unter hoher Beitrags - und Steuerlast ächzt, hätte es verdient, dass ihr nach langer Durststrecke, in der ihr seit Einführung der Agenda 2010 viele Entbehrungen abverlangt wurden, endlich auch mal ein paar Entlastungen gewährt werden. Aber bei den zur Selbstherrlichkeit neigenden Kassen ist das Gegenteil der Fall. Um jede Zusatzleistung oder sinnvolle Präventionsmaßnahme muss der misstrauisch beäugte Patient bei den Kassen betteln und neben den monatlichen Zusatzbeiträgen bei verordneten Medikamenten noch einen relativ hohen Eigenanteil zahlen. Warum eigentlich?

Und warum empören sich keine Verbraucherschützer, Gewerkschaften und auch nicht die SPD? Weil sie inzwischen mehr auf der Seite der staatlichen Verwaltung als auf der von Arbeitern und Angestellten stehen? Immerhin fordert die SPD wenigstens Änderungen an der üblen Praxis, bei Betriebsrenten den vollen Kassenbeitrag einzufordern.

Wir sind zum Glück von der Straßenwut der „Gelbwesten“ in Frankreich noch weit entfernt, doch der Ärger der geschröpften Leistungsträger wächst auch hier.

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