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Krise der Buchhandlungen

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Um rund drei Prozent ist der Umsatz des Einzelhandels in Deutschland 2015 gestiegen. Doch die Buchhandlungen konnten davon nicht profitieren – im Gegenteil: Um immerhin 3,6 Prozent brach deren Umsatz

Um rund drei Prozent ist der Umsatz des Einzelhandels in Deutschland 2015 gestiegen. Doch die Buchhandlungen konnten davon nicht profitieren – im Gegenteil: Um immerhin 3,6 Prozent brach deren Umsatz (samt dem der mittlerweile unbedeutenden Warenhäuser) im vergangenen Jahr ein. Inklusive Online-Geschäft – also vor allem die Verkäufe über Amazon – betrug das Minus lediglich 1,7 Prozent. Schon im Jahr 2014 hatten die Buchhandlungen 1,2 Prozent an Umsatz verloren, nach diversen Skandalen um Dumpinglöhne oder die Arbeitsbedingungen von Zeitarbeitern hatte damals allerdings auch Internet-Marktführer Amazon eine Delle verzeichnen müssen. Dieser Umsatz-Rückgang erwies sich jedoch nicht als dauerhaft. Sowohl im Buch-Onlinegeschäft als auch im deutschen Internethandel insgesamt ging es im vergangenen Jahr deutlich aufwärts.

Es leiden die klassischen Sortimentsbuchhandlungen – und vor allem die großen Buch-Kaufhäuser, die noch vor wenigen Jahren den Markt aufzurollen schienen. Die Symptome sind in allen Großstädten zu erkennen: Die Vorzeige-Filiale von Hugendubel in Stuttgart hat voriges Jahr ebenso dichtgemacht wie der größte Standort von Lehmanns in Hannover. Ende Januar ist Schluss mit dem Hugendubel-Flaggschiff am Münchner Marienplatz, im März schließt auch der Stern-Verlag in Düsseldorf als größte Buchhandlung überhaupt in Deutschland. Nach der Weltbild-Insolvenz verschwand ein beträchtlicher Teil der Läden dieser Marke, fast die Hälfte der verbliebenen Filialen wurde schließlich an eine Firma namens „LesensArt“ abgegeben – und mittlerweile abgewickelt. Auch Thalia hat die Zahl der Standorte um rund ein Zehntel verringert.

Inmitten der Krise gibt es aber durchaus Lichtblicke: Während Krimis, Fantasy oder Ratgeber 2015 schlechter liefen, hielt sich die erzählende Literatur stabil. Einen veritablen Aufschwung erlebte die Lyrik mit einem Plus von 14,5 Prozent. Zur gesteigerten Aufmerksamkeit für dieses Genre hat wohl auch der im Frühjahr vergebene Preis der Leipziger Buchmesse für Jan Wagners Gedichtband „Regentonnenvariationen“ beigetragen. Und zumindest bei E-Books haben die deutschen Buchhändler mit ihrem „Tolino“ gemeinsam ein konkurrenzfähiges Gegenangebot zu Amazons „Kindle“ entwickelt und es damit zum Marktführer gebracht. Es braucht mehr solcher Ideen und Innovationen – dann haben die deutschen Buchhandlungen eine Zukunft.

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