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Der Lärm belastet die Seele

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Die einen sind erleichtert, die anderen können es nicht glauben: Während der Flughafenbetreiber Fraport und die politisch Verantwortlichen erleichtert über die Ergebnisse der NORAH-Studie sind,

Die einen sind erleichtert, die anderen können es nicht glauben: Während der Flughafenbetreiber Fraport und die politisch Verantwortlichen erleichtert über die Ergebnisse der NORAH-Studie sind, fällt es vielen Bewohnern in den Einflugschneisen rund um den Frankfurter Flughafen schwer zu glauben, dass Fluglärm nur einen so geringen Einfluss auf die Gesundheit hat, wie es die Untersuchung ergeben hat.

Gerade dieses große Betroffenheitsempfinden der fluglärmgeplagten Menschen ist aber auch ein wesentliches Ergebnis der NORAH-Studie. Rund um alle untersuchten Flughäfen – also auch in Köln/Bonn und in Berlin – ist die gefühlte Belästigung durch Fluglärm in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Doch nur in Frankfurt hat eine neue Landebahn tatsächlich zu erheblichen Neubelastungen geführt. Daraus lässt sich ableiten, dass die Menschen insgesamt empfindlicher auf Lärm reagieren als noch vor zehn Jahren. Übrigens keineswegs nur auf Fluglärm.

Es ist eine Bestätigung für den Flughafenbetreiber Fraport, der stets darauf gedrängt hatte, auch den Straßen- und Schienenlärm in eine solche Studie miteinzubeziehen. Denn tatsächlich hat der Krach von Autos und Zügen gleichfalls große Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen, wie die NORAH-Studie ergab. Fluglärm stört aber doch am meisten.

Wir können also einerseits aufatmen, weil nach den Ergebnissen des NORAH-Expertenteams, die auf einer sehr breiten und wissenschaftlich fundierten Basis stehen, die gesundheitlichen Auswirkungen des Verkehrslärms nicht so groß sind, wie bislang befürchtet worden war. Dennoch sind Politiker, Verkehrsverantwortliche und die Industrie weiterhin ebenso gefordert wie jeder Einzelne in seinem Mobilitätsverhalten die größten Anstrengungen zu unternehmen, um den Krach von Flugzeugen, Autos und Zügen einzudämmen, weil die Menschen sich so sehr davon belästigt fühlen. Dieses kollektive Empfinden spielt dem Forum Flughafen und Region in die Hände, das die Belästigung als zentralen Parameter für den Fluglärmindex und eine geplante Lärmobergrenze sieht und eine Entkoppelung von der Zahl der Flugbewegungen anstrebt.

Fakt ist: Die Menschen reagieren empfindlicher auf Lärm als früher. Und nach der NORAH-Studie erhöht Verkehrslärm, vor allem der von Flugzeugen, das Risiko, depressiv zu werden. Ein Ergebnis, das alle Beteiligten überrascht hat und zu denken gibt. Sicherlich ist es aber auch die Schnelllebigkeit unserer Zeit und der Arbeitswelt, die das gefühlte Stressempfinden der Menschen insgesamt ansteigen lässt und ihre seelische Gesundheit gefährdet. Bericht Rhein-Main & Hessen

christiane.warnecke@fnp.de

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