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Auf dem linken Auge blind

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Von: Dieter Weirich

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© Eric Richard (priv.)

Nach der Berlin-Wahl zeichnet sich in der Hauptstadt die R2G-Koalition (zweimal rot und einmal grün) ab. Es wird über Tricksereien nachgedacht, wie man demokratisch gewählte Stadträte der AfD in den Bezirken verhindern kann.

Nach der Berlin-Wahl zeichnet sich in der Hauptstadt die „R2G“-Koalition (zweimal rot und einmal grün) ab. Es wird über Tricksereien nachgedacht, wie man demokratisch gewählte Stadträte der AfD in den Bezirken verhindern kann. Es wird die Regierungsbeteiligung der in Teilen linksextremistischen und antisemitischen Linken als Hoffnungsschimmer am Firmament besungen. Im gemeinschaftlichen Abwehrkampf gegen die AfD, die von allen Parteien Stimmen geholt und viele Nichtwähler mobilisiert hat, droht der Politik eine gefährliche Farbenblindheit. Rechts wird einer Röntgenprozedur unterworfen, bei den Linken schaut man weg.

Um das künftige „Berliner Modell“ auch auf den Bund 2017 und die Bundespräsidentenwahl übertragen zu können, kommt die Linkspartei als Wolf im Schafspelz daher. Dass sie Diktatoren hofiert, das Unrechtsregime der DDR nach wie vor relativiert, dass sich ehemalige Stasi-Funktionäre in ihren Reihen befinden, dass die Parteispitze das Dunkel der Verschiebung von ehemaligem und milliardenschwerem DDR-Vermögen nicht aufhellen will, dies alles wird im Zeichen der Verbrüderung kaum thematisiert.

Das gilt auch für den Widerstand gegen die Einsätze der Bundeswehr im Ausland, die Suche linker Abgeordneter nach „neuen Wegen zum Kommunismus“, wofür der demokratische Sozialismus nur die Vorstufe sein kann, die unstillbare Liebe zu Autokraten wie Putin in Russland und den augenzwinkernden Beistand für linksautonome Protestkultur.

Schamgrenzen kennt die SPD im Umgang mit der Linken seit langem nicht mehr. Gab es zunächst Unvereinbarkeitsbeschlüsse, so brach bereits 2002 Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit mit seiner Koalition mit der PDS alle Tabus. Als Andrea Ypsilanti 2008 in Hessen durch einen Wahlbetrug mit den Grünen und Linken an die Macht kommen wollte, verhinderte dies ein Quartett aufrechter Genossen.

Noch 2010 fand es die SPD in Nordrhein-Westfalen nicht schicklich, die Linken mit ins Boot zu holen,weshalb sie zwei Jahre lang in einer Minderheitsregierung mit den Grünen ausharrte. Diese Zeiten sind längst vorbei. In Thüringen gibt es einen linken Ministerpräsidenten, dem sich SPD und Grüne als Juniorpartner angedient haben.

Keine Probleme mit solchen Verbindungen haben die Grünen. Sie sind die Promiskuität auf Wanderschaft. Wo immer die Mehrheit gesucht wird, sie sind dabei, regieren inzwischen in zwei Dritteln aller Bundesländer mit, aus der einstigen Protest- ist die Staatspartei par excellence geworden.

In der fiebrigen AfD-Hysterie sind blinde linke Augen kein Thema, die Union ist angesichts ihrer tiefgehenden Krise ohnehin nicht mehr kampagnefähig. Damit kann der Schleier der Barmherzigkeit über den problematischen Helfern der SPD ausgebreitet werden.

politik@fnp.de

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