Dieselabgase

Lungenfachärzte bezweifeln Diesel-Gefahr

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Mit einem Rundbrief von Lungenfachärzten, der die Grenzwerte bei Stickoxiden und Feinstaub in Frage stellt, wird die Diskussion um Dieselabgase angeheizt. Die Deutsche Umwelthilfe hält dagegen.

Die Diskussion um Stickoxide und Feinstaub in der Luft ist neu entbrannt. Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide (NOx). Die Mediziner, die in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) organisiert sind, sehen derzeit keine wissenschaftliche Begründung, welche die geltenden Werte rechtfertigen würde. Das steht in einem Rundbrief, den die Ärzte unterzeichnet hatten.

Die Diskussion um Dieselabgase und deren Grenzwerte hatte zuletzt große Diskussionen ausgelöst. Gerichte ordneten für mehrere deutsche Großstädte Dieselfahrverbote an, unter anderem für Frankfurt.

Die Lungenfachärzte, die sich jetzt zu Wort melden, argumentieren, dass viele Studien, die Gefahren durch Luftverschmutzung analysieren, erhebliche methodische Schwächen aufwiesen. Zudem seien Daten in der Vergangenheit einseitig interpretiert worden. Die Mediziner fordern deshalb, wichtige Untersuchungen neu zu bewerten.

Dieter Köhler hatte den Stein ins Rollen gebracht. Der Lungen-Experte und ehemalige Präsident der DGP hatte seinen Rundbrief an die 3800 Mitglieder der Gesellschaft versandt. „Ich wollte damit erreichen, dass nicht nur immer wenige eine kritische Haltung zu diesem Thema äußern“, sagte Köhler dieser Zeitung. Die Resonanz auf seinen Rundbrief sei „riesig“ gewesen. Von 3800 Mitgliedern der Gesellschaft haben den Aufruf 113 Mediziner unterschrieben.

„Schwer zu messen“

Gernot Rohde, Professor am Frankfurter Uniklinikum, kann Köhlers Initiative etwas Positives abgewinnen. Der Leiter des Schwerpunkts Pneumologie und Allergologie findet, dass Köhler einen wichtigen Anstoß für die wissenschaftliche Diskussion zu diesem brisanten Thema gegeben hat. Nach Rohdes Ansicht fehlten in der Tat immer noch verlässliche Fakten, ab wann Dieselabgase und Feinstaub gesundheitsgefährdend sind. Bislang beruhten die vorliegenden Studien auf theoretischen Annahmen und Hochrechnungen, sagte er. „Deshalb ist es schwer, Grenzwerte festzulegen, die messen sollen, ab wann Krankheiten auftreten“. Für den Arzt ist es deshalb dringend geboten, verstärkt auf diesem Gebiet zu forschen, um eine seriöse Grundlage für Entscheidungen zu haben.

Grüne mahnen

„Zu mir ist noch kein Kind gekommen, das gesagt hat, ich habe seit drei Tagen Husten, weil ich Feinstaub eingeatmet habe“, sagt Stefan Zielen. Er leitet den Schwerpunkt Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Frankfurter Uniklinik. Er argumentiert, für Mediziner sei es kaum nachweisbar, ob jemand durch das Einatmen von Stickoxiden oder Feinstaub krank geworden ist. „Hat ein Kind eine Pollenallergie, sieht man das dagegen sofort“, so Zielen. Deshalb ist es für ihn auch schwer, einen genauen toxischen Wert bei Stickoxiden und Feinstaub festzulegen. Trotzdem: Auch Köhlers Standpunkt sieht Zielen kritisch. Dieser sei nämlich auch „nicht gesichert“. Für Barbara Metz, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins Deutsche Umwelthilfe, sollte an den bisher geltenden Messwerten nichts geändert werden.

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