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Briten-Geheimdienst sieht neues Ukraine-Dilemma für Russlands Armee - wegen Putins Befehl

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Von: Stephanie Munk

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Die Ukraine berichtet von russischen Soldaten, die in den Wäldern fast verhungern. Die Gegenoffensive gegen Putins Krieg dauert an. News-Ticker zum Militärgeschehen im Ukraine-Krieg.

Update vom 6. Oktober, 13.21 Uhr: Die Stadt Saporischschja steht weiter unter Beschuss. Alle weiteren Entwicklungen in unserem neuen News-Ticker zum Militärgeschehen im Ukraine-Krieg.

Update vom 6. Oktober, 10.35 Uhr: Bei russischen Angriffen auf die Stadt Saporischschja sind nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet und fünf weitere verschüttet worden. Die Menschen würden unter den Trümmern vermisst, „viele“ weitere seien gerettet worden.

Saporischschja liegt in der gleichnamigen Region, in der auch das von der russischen Armee besetzte AKW Saporischschja liegt. Moskau hatte die Region in dieser Woche annektiert, obwohl sie nicht vollständig unter Kontrolle der russischen Truppen steht. Per Dekret hatte Wladimir Putin auch das AKW nun unter russische Verwaltung gestellt.

Geheimdienst zum Ukraine-Krieg: Dilemma für Russlands Armee - wegen Putins Befehl

Update vom 6. Oktober, 9.29 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste steht Russland bei der Verteidigung heftig umkämpfter Gebiete am Dnipro-Fluss in der Ukraine vor einem strategischen Dilemma. Eine der größten Herausforderungen für russische Kommandeure sei derzeit die zunehmende Bedrohung der strategisch wichtigen Stadt Nowa Kachowka am Südende des Dnipro-Stausees, hieß es im täglichen Kurzbericht des Verteidigungsministeriums in London.

Die Russen benötigten den beschädigten Nachschubweg über den Dnipro in dieser Region, um die eigenen Truppen jenseits des Flusses zu versorgen. Ein Rückzug der Einheiten von dort würde zwar die Verteidigung der Region um die Gebietshauptstadt Cherson verstärken, allerdings werde es der politische Imperativ wohl gebieten, sich nicht zurückzuziehen, heißt es von den Briten.

Moskau habe bereits die Mehrheit seiner unterbesetzten Luftstreitkräfte bei der Verteidigung von Cherson eingesetzt. Daher verfüge der Kreml kaum über weitere, hoch qualifizierte und schnell einsetzbare Truppen, die die Front stabilisieren könnten. Es sei wahrscheinlich, dass dabei künftig Reservisten eingesetzt würden, hieß es weiter.

Ukraine-Krieg: Kinder spielen am Flussufer des Dnipro in Kiew
Aufnahme vom 1. Oktober aus Kiew: der Dnipro-Fluss © Francisco Seco/AP/dpa

Fußball trotz Ukraine-Krieg: Selenskyj will die WM 

Update vom 6. Oktober, 7.22 Uhr: Selenskyj hat sich optimistisch bezüglich der Erfolgschancen der Ukraine für die Fußball-WM-Bewerbung gezeigt. Auf das Kampfgeschehen ging Selenskyj in seiner jüngsten Videoansprache nur am Rande ein. Er meldete die Rückeroberung von drei weiteren Ortschaften im Gebiet Cherson und nannte die jüngsten russischen Angriffe mit iranischen Kampfdrohnen auf ukrainische Städte zwecklos.

„Das hilft Euch schon nicht mehr. Ihr habt schon verloren“, wandte er sich an die russische Führung. Diese könne ihre eigenen Soldaten nicht mehr motivieren, während die Ukrainer wüssten, wofür sie kämpften, zeigte er sich überzeugt.

Der ukrainische Präsident rückte den geplanten Wiederaufbau in den Fokus. Nach der Rückeroberung der ersten Gebiete im Donbass seien dort die Zahlungen von Renten und Sozialleistungen aufgenommen worden, sagte er und kündigte intensive Vorbereitungen für die Bewältigung des „schwierigen Winters“ an.

Über 50 tote Zivilisten in Lyman: Ukrainisches Fernsehen berichtet von weiteren Massengräbern

Update vom 5. Oktober, 21.15 Uhr: Ukrainischen Medienberichten zu Folge haben die ukrainischen Streitkräfte nahe der vor kurzem befreiten Stadt Lyman weitere Massengräber vorgefunden. Mehr als 50 Zivilisten sollen in der Nähe der Stadt begraben worden sein, vermeldet der ukrainische Internet-Fernsehsender Hromadske am Mittwoch. „Die Russen haben Gräben ausgehoben und Personen, die sie der Kollaboration mit dem ukrainischen Militär verdächtigten, gezwungen, die Leichen der Toten für die Umbettung einzusammeln“, heißt es in der Meldung weiter. Die Meldung lässt sich aktuell jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben des Mediums sind einige Opfer durch den Beschuss der Stadt ums Leben gekommen. Lyman war im Mai nach intensiven Kämpfen von moskautreuen Truppen eingenommen und Anfang Oktober nach ebenfalls schweren Gefechten von den Ukrainern zurückerobert worden. Während bei einigen Toten die Namen angegeben sind, stehen auf anderen Gräbern nur Nummern. Auch Anton Gerashchenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, bestätigte via Twitter den Fund der Gräber.

Nach dem Abzug russischer Truppen wurden in verschiedenen Teilen der Ukraine Massengräber gefunden. International für Entsetzen sorgten die Leichenfunde in der Kiewer Vorstadt Butscha. Dort waren Hunderte getöteter Zivilisten gefunden worden - einige mit Folterspuren und gefesselten Händen. Butscha gilt seitdem als Symbol für schwerste Kriegsverbrechen.

Ukrainische Streitkräfte melden weitere Gebietsgewinne – Berichte über russische Folterkammer

Update vom 5. Oktober, 19.30 Uhr: Ukrainische Streitkräfte haben nach der Rückeroberung eines Dorfes in der Region Charkiw offenbar eine russische Folterkammer entdeckt. Das berichtet das ukrainische Verteidigungsministerium auf Twitter und teilte zwei Fotos. Das eine Foto zeigt eine Gasmaske und einen dreckigen Stoff-Sack. Dieser soll den Angaben zufolge den Opfern über den Kopf gezogen worden sein, während sie zur Folter bei lebendigem Leibe begraben wurden.

Das andere Bild zeigt eine Box mit einer Vielzahl von Goldzähnen, die offenbar von Folter-Opfern stammen sollen. Das Verteidigungsministerium bezeichnete die Szenerie als ein „Mini-Auschwitz“. „Wie viele mehr werden noch in der besetzten Ukraine gefunden werden?“, fragt das Ministerium in dem Tweet weiter. Auch in deutschen Konzentrationslagern war es eine gängige Praxis, dass bei Insassen goldene Zähne und Kronen entfernt wurde, bevor diese gefoltert und getötet wurden. Die Informationen des Verteidigungsministeriums lassen sich aktuell jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Update vom 5. Oktober, 16.03 Uhr: Russland will die zuletzt von ukrainischen Truppen befreiten Gebiete nicht aufgeben und bald wieder unter seine Kontrolle bringen. „Sie werden für immer zu Russland gehören“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau der Staatsagentur Tass zufolge. Gleichzeitig sprach er von einem „Vorrecht“ Wladimir Putins.

Ukrainische Streitkräfte schreite „schnell und kraftvoll“ voran – zahlreiche Rückeroberungen

Update vom 5. Oktober, 12.28 Uhr: Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Tagen offenbar dutzende Ortschaften befreit, die Soldaten schritten „schnell und kraftvoll“ voran, sagte Präsident Selenskyj. Die russische Seite stellt es anders dar: Der von Russland ernannte Vize-Anführer der Region Cherson, Kirill Stremousov, behauptete gegenüber der russischen Nachrichtenagentur „Ria Novosti“, der ukrainische Vormarsch sei „gestoppt“ worden: „Es gibt keine Bewegung oder Fortschritte. Sie werden Cherson nicht betreten, es ist unmöglich.“

Die russischen Truppen würde sich derzeit „neu gruppieren“, erklärte der Cherson-Statthalter stattdessen die Bewegungen an der Frontlinie. „Die russische Armee führt Manöver durch. Die Neugruppierung der Front ermöglicht es uns, unsere Kräfte zu sammeln und zuzuschlagen.“

Das russische Verteidigungsministerium hatte auch schon bei der verheerenden Niederlage der Russen bei Isjum von einer „Umgruppierung“ der russischen Truppen gesprochen.

Putin-Soldaten „in den Wäldern“ zurückgelassen? Ukraine-Minister berichtet von Chaos

Update vom 5. Oktober, 11.20 Uhr: Offenbar hat die russische Armee bei ihrem fluchtartigen Rückzug aus der Region Charkiw viele ihrer Soldaten zurückgelassen. Vize-Innenminister Jewgeni Jenin erklärt in einem auf Twitter veröffentlichten Video, fast jeden Tag würden russische Soldaten verloren in den Wäldern der Gegend entdeckt. Der Hunger treibe sie in die Dörfer, wo sie festgenommen würden.

Die Region Charkiw war von der ukrainischen Armee vor rund vier Wochen in einer erfolgreichen Gegenoffensive zurückerobert worden, nachdem sie monatelang von den Russen besetzt gewesen war.

Ukraine-News: Ukraine veröffentlicht erschreckende Bilder auf Twitter und vermutet Folterkammer

Update vom 5. Oktober, 9.44 Uhr: Das ukrainische Verteidigungsministerium hat in der Nacht auf Twitter erschreckende Bilder aus dem Ukraine-Krieg veröffentlicht. Die Fotos zeigen eine Gasmaske und eine Plastikbox mit Goldkronen und sollen aus dem wiedereroberten Dorf Pisky-Radkiwski in der Region Charkiw stammen. Nach Angaben der Ukraine wurden die Gegenstände in einer Folterkammer gefunden, die Opfer seien lebendig begraben worden seien. Die Angaben sind nicht unabhängig geprüft.

Ukraine-News: Putin in Sorge? Gegenoffensive gefährdet wohl Versorgung der russischen Truppen

Update vom 5. Oktober, 9.32 Uhr: Die Gegenoffensive der Ukraine verläuft weiterhin erfolgreich - Selenskyj gab am Dienstagabend in seiner abendlichen Ansprache die Befreiung dutzender besetzter Ortschaften bekannt. Die ukrainische Armee schreite „schnell und kraftvoll“ voran, sagte der ukrainische Präsident.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste bereitet dies Russland große Probleme bei der Versorgung seiner eigenen Truppen. So seien ukrainische Truppen in der nordöstlichen Region Charkiw bis zu 20 Kilometer hinter den Fluss Oskil in die russische Verteidigungszone vorgedrungen, heißt es in einem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums. Damit näherten sich die Truppen einem Versorgungsknotenpunkt in der Stadt Swatowe. Die Ukraine könne mit ihren Waffensystemen nun mutmaßlich eine wichtige Straße in der Region angreifen. Das würde es den Russen noch schwerer machen, ihre Truppen im Osten mit Nachschub zu versorgen.

Die britischen Geheimdienste gehen außerdem davon aus, dass Putin und die übrige russische Führung in großer Sorge sein dürften, weil die Ukraine immer mehr Gebiete in Luhansk wiedergewinnen - dabei hat Russland diese Region erst in der vergangenen Woche annektiert.

Ukraine-News: Putin unterzeichnet Gesetze zur Annexion

Update vom 5. Oktober, 9.15 Uhr: Die Annexion ukrainischer Gebiete ist jetzt in Russland offiziell in Kraft getreten: Präsident Putin hat die entsprechenden Gesetze unterschrieben. Damit gehören die besetzten Teile der Gebiete Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk nach russischer Lesart zu russischem Staatsgebiet. Das teilte der Kreml der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit. Putins Armee kontrolliert aktuell nur Teile der annektierten Gebiete, aber sie stehen nun offiziell unter dem Schutz der Atommacht.

Zusammen mit der bereits 2014 einverleibten Schwarzmeer-Halbinsel Krim kontrolliert Russland damit mehr als 16 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets. Mit der Annexion will sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen am kommenden Montag in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen.

Teilmobilmachung ein „Geschenk“ an die Ukraine? Experten sehen Putin von drei russischen Gruppen bedrängt

Update vom 5. Oktober, 8.24 Uhr: Wladimir Putins Teilmobilmachung hat bislang weniger Effekt auf die militärische Lage in der Ukraine – und mehr auf die Stimmung innerhalb Russlands. Zu diesem Schluss kommt das Institute for the Study of War (ISW) in seiner jüngsten Analyse.

Der ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanow bezeichnete die Teilmobilmachung sogar als „Geschenk“, denn der Kreml befinde sich mit ihr in einer „Einbahnstraße“, schreiben die Militärexperten des US-Thinktanks. „Putin versagt darin, die Ansprüche der russischen Nationalisten mit seinen erklärten Kriegszielen in Einklang zu bringen“, heißt es weiter.

Drei Faktoren bezüglich des aktuellen Kriegs-Diskurses in Russland würden den Kremlchef dabei unter Druck setzen: Privatpersonen, die den Krieg im Internet kommentieren, Veteranen sowie „Silowiki“, womit Vertreter der Geheimdienste und des Militärs gemeint sind. „Putin braucht die Zustimmung von allen drei Gruppen.“

Die Erfolge der Ukraine mit ihrer Gegenoffensive würden die radikale nationalistische Community nun allerdings spalten. Putin sorge deshalb dafür, dass besagte Kommentatoren Raum im russischen Staatsfernsehen erhalten. Außerdem lasse er Silowiki ihre eigenen Kämpfer mobilisieren und versuche die Veteranen zu beschwichtigen, und zwar vor allem mit anhaltender Propaganda.

Ukraine-News: Russische Truppen angeblich auf „allgemeinen Rückzug“

Update vom 4. Oktober, 15.38 Uhr: Erst am vergangenen Freitag vollzog Putin völkerrechtswidrig die Annexion der Region Cherson an Russland - nun sollen sich die russischen Truppen angeblich aus Teilen des Gebiets, die sie seit März besetzen, zurückziehen. Laut dem pro-russischen Kriegsblog „Rybar“ läuft im Norden von Cherson, wo die ukrainische Armee immer mehr vorrückt, ein „allgemeiner Rückzug“ der russischen Truppen.

Wegen der erfolgreichen Gegenoffensiven der ukrainischen Streitkräfte und einer drohenden Einkesselung der russischen Truppen habe Moskau beschlossen, seine Soldaten auf eine neue Verteidigungslinie weiter südlich zurückzuziehen, heißt es in einem Telegram-Beitrag des Blogs. Auf diese Weise sollen weitere Tote vermieden und Ausrüstung erhalten werden.

Ukraine auf Vormarsch: Sogar Putins Elite-Truppen müssen fliehen – Putin-Befehl weist auf Riesen-Defizite hin

Erstmeldung vom 4. Oktober 2022:

Lyman/Cherson - Die ukrainische Armee kann im Ukraine-Krieg weitere Erfolge verbuchen: Im Süden befreiten sie weitere Gebiete von russischer Besatzung. Und auch östlich der bereits befreiten Stadt Lyman konnten die Ukrainer Putins Truppen weiter zurückdrängen. Das schreibt das „Institute for the Study of War“ (ISW) in seiner neuesten Analyse.

Offenbar waren selbst Wladimir Putins Elitetruppen machtlos gegen den Vorstoß der Ukrainer, schreibt der US-Thinktank. Im Raum Lyman zogen sich Teile der 144. motorisierten Schützendivision zurück. Die 76. Luftlandedivision wiederum soll in der Oblast Cherson zurückgeschlagen worden sein. Beides seien Einheiten, die als erste Liga in der russischen Armee angesehen würden, so das ISW. „Ihr offensichtliches Versagen, das Territorium gegen die ukrainische Offensive zu verteidigen“ sei ein weiterer Beleg dafür, dass Russlands Militär schwächer und schwächer werde, je länger der Ukraine-Krieg andauere.

Ukraine-News: Russlands Armee laut Geheimdienst-Infos vor großen Problemen

Der britische Geheimdienst hat zudem Erkenntnisse, dass Russland nicht mehr in der Lage ist, seine Rekruten ausreichend auszurüsten und zu trainieren. Das geht aus dem jüngsten Bericht des britischen Verteidigungsministeriums hervor. Putin habe per schriftlichen Befehl offenbar den Dienstantritt von 120.000 neuen Wehrpflichtigen in Russland verschoben, heißt es. Das sei ein Hinweis darauf, dass Russland derzeit nicht fähig sei, eine große Anzahl an Personal auszurüsten und zu trainieren.

„Die Herausforderungen für Unterbringung, Training, Ausrüstung und Einsatz von mobilisiertem und einberufenem Personal sind erheblich“, hieß es in der Mitteilung. Auch in der russischen Militärverwaltung und -logistik gebe es erhebliche Defizite, was die Bemühungen noch erschwere. Ein Video weist darauf hin, wie groß die Defizite bei der Ausrüstung der Soldaten angeblich sind - zu sehen sind rostige Gewehre und Plastiktüten.

Die neuen Wehrpflichtigen, die nun erst am 1. November ihren Dienst beginnen sollen, dürfen laut russischem Gesetz nicht außerhalb Russlands eingesetzt werden. Sie sind zu unterscheiden von den 300.000 Reservisten, die Putin im Rahmen seiner Teilmobilisierung im Ukraine-Krieg an die Front schicken will. (smu/dpa)

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