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Historischer Moment: Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle den Elysee-Vertrag in Paris. Darin wurde die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Verteidigung, auswärtigen Angelegenheiten und der Erziehung festgeschrieben. In den 40 Jahren seines Bestehens prägten auch die guten Beziehungen zwischen den beiden Staatschefs die Kooperation.

Freundschaftsvertrag

Macron umwirbt Deutschland

Die Parlamente in Paris und Berlin beschlossen gestern eine gemeinsame Resolution zur Ausarbeitung eines neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrages – die bisherige Kooperation soll noch deutlich intensiviert werden.

Knapp zwei Dutzend junge Köpfe beugen sich über Zettel, auf die sie ihre Ideen schreiben. Diese hängen sie an die Wände im Pariser Deutschlandzentrum CIDAL. Später stellen die Studenten aus Deutschland und Frankreich ihre Vorschläge vor. Und zwar nicht irgendwem, sondern Clément Beaune, Europa-Berater von Emmanuel Macron, und Claudine Lepage, Vizepräsidentin der deutsch-französischen Freundschaftsgruppe im Senat. Auf dass ihre Wünsche – darunter ein verstärkter Impuls für den Austausch von Azubis und mehr Zusammenarbeit der Arbeitsagenturen in der Grenzregion – bis in die höchsten Sphären der Politik vordringen.

Und auf dass diese noch in diesem Jahr in einen „Elysee-Vertrag 2.0“ einfließen, also eine Fortsetzung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages, den Präsident Charles de Gaulle und Kanzler Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 unterzeichneten. Aus dieser Vereinbarung über eine intensivierte Partnerschaft einstiger Kriegsfeinde ging unter anderem die Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) hervor.

Es war eine der „Juniorbotschafterinnen“ des DFJW, Maike Brakhan, die das gestrige Treffen von 20 jungen Deutschen und Franzosen anlässlich des 55. Jubiläumstags des Elysee-Vertrags organisierte. „Ich finde es wichtig, dass die Jugend ihre Stimme einbringt, wenn es um Europas Zukunft geht“, sagt die 24-jährige Studentin.

Auf die Idee gebracht habe sie Präsident Macron mit seiner vor Reformvorschlägen strotzenden Europa-Rede, die er im September an der Sorbonne, ihrer Universität, hielt. Darin forderte er nicht nur eine vertiefte Kooperation der EU-Länder in vielen Bereichen von Verteidigung über das Unternehmenssteuerrecht bis zu einem eigenen Eurozonen-Budget. Er schlug auch einen neuen Elysee-Vertrag mit dem deutschen Nachbarn vor.

Diesen hätte er wohl gerne schon zum gestrigen Stichtag präsentiert; doch die schwierige deutsche Regierungsbildung verzögerte dies. Stattdessen reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits am Freitag an, um an der Seite Macrons zu versprechen, beide wollten „dem vereinten Europa neuen Schub geben, um es noch stärker zu machen“.

Abgeordnete des Deutschen Bundestages und der französischen Nationalversammlung arbeiteten eine Resolution aus, die sie gestern bei Sondersitzungen beschlossen – vormittags in Berlin und nachmittags in Paris. Jeweils sprachen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in der Nationalversammlung sowie sein französischer Pendant François de Rugy in der Sprache des Gastlandes im Bundestag, um die Bedeutung der Initiative hervorzuheben.

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