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Pikante Hofreiter-Frage: „Er ist ein Experte, Sie auch?“ - Lanz nimmt Özdemir in die Mangel

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Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF).
Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF). © ZDF (Screenshot)

Grünen-Minister Cem Özdemir blickt bei „Markus Lanz“ kritisch auf die Tierhaltung in Deutschland. Doch vor die Inhalte stellt der ZDF-Talker eine heikle Frage.

Hamburg – Neu-Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne*) spricht bei „Markus Lanz“ über seinen neuen Posten und deutet an, was er sich für seine Amtszeit vorgenommen hat. Den parteiinternen Kampf um das Amt zwischen Özdemir und Parteifreund Anton Hofreiter nimmt Talkmaster Markus Lanz zum Anlass für erste bohrende Fragen. „Ich muss mich nicht mit ihm vergleichen“, versucht Özdemir zwar, Lanz den Wind aus den Segeln zu nehmen - doch der lässt nicht locker.

„Doch, das müssen Sie“, findet der Gastgeber, schließlich sei der oberbayerische Abgeordnete Hofreiter* ein Landwirtschaftsexperte. Özdemir blockt ab: Er müsse kein ausgewiesener Experte sein, um ein Ministeramt auszufüllen, vielmehr gehe es in seiner Funktion darum, zuzuhören, Menschen zusammenzubringen „und einen Ausgleich zu schaffen.“ 

Cem Özdemir bei „Markus Lanz“ über Bio-Massentierhaltung: „Das ist ein pervertiertes System“

Im Anschluss widmet sich die Runde ausführlich dem Thema der biologischen Landwirtschaft. Zeit-Journalistin Anne Kunze weist darauf hin, dass Bio-Erzeugnisse längst den Prinzipien der industriellen Landwirtschaft folgen. Die Konsequenzen dieser Prinzipien lassen sich auf den Bildern erahnen, die die „Markus Lanz“-Redaktion daraufhin einspielt. Zu sehen: krank wirkende Hühner, dicht zusammengepfercht in einem engen Stall. Moderator Lanz packt das Grauen. „Das ist doch nicht unsere Vorstellung von Bio!“, meint er.

Özdemir bezeichnet diese Form von Landwirtschaft als Teil eines „pervertierten Systems“ und sagt, dass die Grünen unter anderem aus diesem Grund unbedingt das Landwirtschaftsministerium besetzen wollten. In den vergangenen zehn Jahren, berichtet er, sei die Anzahl an Schweinen in Deutschland gleichgeblieben, während sich die Zahl der Schweinezüchter halbiert habe: „Das sind einfach dramatische Zahlen!“

„Markus Lanz“ debattiert Bio-Lebensmittel – Landwirtschaftsminister Özdemir: „Es braucht ein Preisschild“

Darin, „dieses System auf neue Beine zu stellen“, sieht Özdemir deshalb das Ziel seiner Arbeit als Landwirtschaftsminister. Energisch rechnet er vor, von jedem Euro, den Konsumenten für Schweinefleisch ausgeben, kämen nur 21 Cent bei den Erzeugern an. In den 1950er-Jahren seien es 50 Prozent gewesen, sagt Özdemir. Der Grüne erkennt nach eigenen Angaben nur eine Lösung, um diese Tendenz aufzuhalten: „Es braucht ein Preisschild. Anders wird es nicht passieren.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 2. Februar:

Moderator Lanz erkundigt sich, ob dadurch Fleisch teurer werde, was Özdemir zunächst nur indirekt bejaht: Er verweist auf eine Studie von Greenpeace, die herausgefunden habe, dass 80 Prozent der Deutschen bereit seien, mehr Geld für Fleisch zu bezahlen - sofern das bessere Haltungsbedingungen für Tiere gewährleiste. „Mit mir gibt es keine Ramschpreise“, stellt Özdemir* klar. Dass er sich mit seiner neuen Haltung nicht nur Freunde mache, sei ihm bewusst. Von „mächtigen Gegnern“ spricht Özdemir und „einigen starken Lobbys, die das verhindern wollen“.

„Am Regal endet die Moral“, vermutet dagegen Gastgeber Lanz und fragt Özdemir nach den Konsequenzen höherer Preise für die Bürgerinnen und Bürger. Der Ist-Zustand sei auf Dauer die schlechteste Lösung, befindet Özdemir: „Ein solches System ist das teuerste System. Weil es katastrophale Klimakosten erzeugt, weil es katastrophale Meldungen erzeugt beim Artenschutz.“

Deutschlands agrar- und sozialpolitische Wende? Özdemir bei „Markus Lanz“: „Das ist eine Granatenschweinerei, dieses System“

Als Lanz deshalb feststellt, dass sich Fleisch bald nicht mehr jeder leisten könne, schreitet Özdemir erneut ein. „Das stimmt doch nicht!“, tadelt er den Moderator und weist auf Möglichkeiten der Sozialpolitik hin, Preissteigerungen auszugleichen. Denkbare Modelle seien etwa Direktabgaben an Landwirte im Cent-Bereich oder eine Mehrwertsteuererhöhung von 7 auf 19 Prozent für Fleischerzeugnisse*. Auch die Sozialhilfesätze dürften sich künftig nicht an den niedrigsten Discounter-Preisen orientieren. Özdemir will sich allerdings zunächst „alles anschauen“, um danach eine Entscheidung treffen zu können.

„Das heißt, Ihr Problem sollen andere im Kabinett lösen?“, fragt Talkmaster Lanz provokant, was der Landwirtschaftsminister vehement verneint. Er sei Teil einer Regierung, die angetreten ist, um Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zu vereinen, statt sie gegeneinander auszuspielen. Für einen Moment blickt Medienprofi Özdemir in die Kamera und richtet sich direkt an die Zuschauer: „Fallen Sie nicht auf die herein, die jetzt erzählen, die wollen das Fleisch teurer machen und das soll Sie treffen. Die, die das sagen, essen nicht das Fleisch, über das sie da reden. Sondern das sind die Leute, die essen ganz anders, die kaufen ganz anders ein, die haben ganz andere Gehaltsklassen. Das ist eine Granatenschweinerei, dieses System.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

„Markus Lanz“ widmet sich am Mittwochabend zunächst dem Münchener Missbrauchsgutachten über die katholische Kirche. Die Journalistin Christiane Florin und der Theologe Manfred Lütz sprechen mit Talkmaster Markus Lanz über die Missbrauchsvorwürfe um den Priester Peter H. und diskutieren die Frage, inwiefern den emeritierten Papst Benedikt XVI. als damaliger Erzbischof eine Mitschuld an den Geschehnissen trifft.

Im Anschluss diskutieren Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) und die Journalistin Anne Kunze mit Gastgeber Lanz intensiv über „das System Bio“. Kritisch analysieren sie die Situation in der Tierhaltung, die für Özdemir den Anlass darstellt, die bestehende Politik zu ändern. Sein Appell an die Konsumenten: „Ich brauche den Druck von den Verbrauchern, dass die sagen: Wir wollen das ändern.“ (Hermann Racke) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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