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Markus Lanz zeigte sich am Mittwochabend angriffslustig. 

Polit-Talk im ZDF

Diesel-Zoff: Markus Lanz schießt gegen umstrittenen Lungenarzt - „Wie kann Ihnen das passieren?“

Es ging rund bei Markus Lanz - der ZDF-Moderator selbst zeigte sich angriffslustig und attackierte einen seiner Gäste. 

Mainz - Am Mittwochabend hatte Moderator Markus Lanz im ZDF vier Gäste geladen. Darunter auch zwei Experten auf dem Gebiet des Stickstoffs und Feinstaubs. Einer der beiden war Professor Dieter Köhler, der mit seinem Positionspapier Anfang des Jahres für viel Aufregung in der Debatte um die Diesel-Fahrverbote sorgte. 

Darin vertritt er nämlich die Meinung, dass die geltende Obergrenze der EU jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehre und die Gefahren durch Diesel-Motoren dramatisiert würden. Grundsätzlich würde ihm die gesamte Diesel-Debatte in Deutschland zu hysterisch geführt. Er erhielt Rückhalt von anderen Experten und auch Verkehrsminister Scheuer adaptierte die Argumentation von Köhler und plädierte für niedrigere Grenzwerte. 

Video: Lungenärzte zweifelten an Gesundheitsgefahr durch Diesel

ZDF-Moderator Markus Lanz gegen Köhler: „Wie kann Ihnen das passieren?“

Direkt zu Anfang der Sendung konfrontierte Lanz den Lungenarzt mit dem Bericht der taz, welche ihm vorwarf, dass der Professor hinsichtlich der Feinstaub-Belastungen und ihrer Auswirkungen mit falschen Werten gerechnet hatte. Köhler wies diese Vorwürfe zurück. Er habe sich schlichtweg auf „ältere Daten in der Literatur zurückgegriffen“. Lanz unterbrach ihn und korrigierte energisch: „Auf falsche Daten!“ 

Lanz (l.) in einer heftigen Diskussion mit Prof. Köhler (r. von hinten). 

„Nein, das waren schon richtige Daten“, beharrte Köhler, sie haben nur aus einer Zeit gestammt, in der Zigaretten noch mehr Teer enthalten haben. „Wie kann Ihnen das passieren? Eine falsche Zahl.“ und „Warum sagen Sie das alles erst jetzt, wenn Sie es schon länger wissen?“, suchte der Moderator bewusst den Schlagabtausch. Köhler versuchte zu erklären, dass er das schon häufig publiziert habe, aber „man es ignoriert hat, man hatte einfach Angst, dass die Diskussion aufkommt.“

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Karl Lauterbach (SPD) attackiert CSU-Minister Scheuer bei Markus Lanz

Schließlich wandte sich Lanz seinem zweiten Experten zu: Dem SPD-Gesundheitsexperten Professor Karl Lauterbach. Einem Widersacher Köhlers, der wohl aus gutem Grund genau neben Lanz saß, während Köhler den weit entferntesten Platz in der Runde einnahm. 

„Wie erklären Sie sich, Herr Lauterbach, dass viele vom Fach Köhler zustimmen?“, wollte Lanz wissen. Lauterbach dazu: „Dass Herr Köhler eine umstrittene steile These in die Welt setzt, ist sein gutes Recht, aber dass sich der Verkehrsminister dem anschließt und somit die komplette Wissenschaft, die der derzeitigen Grenzwert-Diskussion zugrunde liegt, ignoriert, ist nicht akzeptabel. Ich kann als Minister auf eine steile These einer Einzelperson nicht so reagieren.“

Lanz fragte nach, warum es nicht wahr sei, was Herr Köhler behaupte. Lauterbach bezog sich in seiner Antwort auf zahlreiche Studien, „die sich seit Anfang der 90er Jahre mit Feinstaub (...) und verschiedensten Krankheiten auseinandersetzen (...) und die Gefahr hat sich bestätigt. (...). Es ist eher unterschätzt als überschätzt worden. Beim Feinstaub und beim Stickoxid hat sich das Risiko für diverse Erkrankungen bestätigt.“

Markus Lanz bissig: „Wieso bestreiten Sie das?“

Daraufhin hinterfragte Lanz erneut die Argumentation Köhlers: „Sie sind Lungenfacharzt, Sie müssten doch an jedem Partikel weniger deutlich mehr interessiert sein, als umgekehrt.“

Köhler antwortete unaufgeregt: „Es geht auch um die Verhältnismäßigkeit. Seit Jahrmillionen Jahren inhalieren wir Staub.“ Hier unterbrach Lanz: „Aber es gibt doch Momente, wo es uns allen klar wird“, argumentiert Lanz bezogen auf die weltweite Luftverschmutzung. „Wieso bestreiten Sie das?“ „Ich bestreite das gar nicht. Aber es geht um die Menge und welche Substanzen. Nicht alle Substanzen machen krank“, beharrte Köhler auf seiner Meinung. 

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden gipfelte schließlich in dem Vorwurf von Lanz: „Können Sie mir noch einmal erklären, warum Sie dermaßen forsch nach vorne gehen? Sie wissen, was sowas heute auslöst. Sowas löst heute im Zeitalter von sozialen Medien Weltverschwörungstheorien aus.“

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Sarah Pilz

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