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Aus EU und Nicht-EU-Ländern

Einwanderung: Mehr Fachkräfte aus dem Ausland

Die Migration wird derzeit oft nur unter dem Thema Flüchtlinge diskutiert. Und Deutschland war 2015/16 tatsächlich vom Flüchtlingszuzug geprägt. Im vergangenen Jahr dominierte laut einer Studie jedoch wieder die Einwanderung aus EU-Ländern. Es kamen zudem mehr Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern.

In Deutschland fehlen die Fachkräfte, diese kommen zunehmend aus Ländern außerhalb der EU. Das ergab eine gestern veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Diese Zuwanderung wächst allerdings auf noch niedrigem Niveau. Unter den fast 545 000 Menschen aus diesen sogenannten Drittstaaten waren auch rund 118 000 Geflüchtete, etwa sieben Prozent erhielten als Fachkräfte einen Aufenthaltstitel. 2015 seien es nur drei Prozent gewesen.

Nachdem die Jahre 2015 und 2016 vom Zuzug Geflüchteter dominiert gewesen seien, zeichne sich seit 2017 eine „Normalisierung“ bei der Migration ab, so die Studie. Der Anteil der Flüchtlinge an der gesamten Zuwanderung sei auf rund zehn Prozent gesunken. 2015 waren es noch 23 Prozent, 2016 waren es 17 Prozent.

Insgesamt dominiert die Zuwanderung aus der EU, hier ist Deutschland das beliebteste Zielland. Immer mehr Menschen kommen aus EU-Ländern hierher – insgesamt 635 000 Personen. Gut 60 Prozent von ihnen seien Fachkräfte, verfügten über einen Hochschul- oder Berufsabschluss, schilderte Stiftungsexperte Matthias Mayer in Gütersloh. Für die Studie „Fachkräftezuwanderung aus Drittstaaten nach Deutschland 2017“ hatte Mayer auch Daten des Ausländerzentralregisters ausgewertet.

Immer mehr Studenten bleiben

Viele EU-Zuwanderer stammen aus Rumänien, Polen, Bulgarien, Kroatien und Italien. Die Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU kommen vor allem aus Indien, Bosnien-Herzegowina, USA, Serbien und China. Immer öfter bleiben auch Studierende aus dem Ausland nach ihrem Uni-Abschluss in Deutschland. Dadurch, so die Studie, gelangten ebenfalls neue Fachkräfte ins Land.

Der Fachkräftemigration auch aus dem außereuropäischen Ausland komme angesichts von bundesweit 1,2 Millionen unbesetzten Stellen und dem anstehenden Ruhestand der geburtenstarken Jahrgänge eine große Bedeutung zu, betonte Mayer. Deutschland brauche zügig ein effektives Einwanderungsgesetz. Wer sich für ein Leben hierzulande entscheide, solle eine klare Perspektive für ein Daueraufenthaltsrecht und für eine Einbürgerung erhalten.

Erst in dieser Woche hatte die IHK Frankfurt gemeinsam mit den anderen Wirtschaftskammern der Metropolregion vor einem Fachkräftemangel in Rhein-Main gewarnt. Insgesamt fehlten, so IHK-Präsident Matthias Müller, heute schon 163 000 Fachkräfte. Bis 2030 könne diese Lücke auf 250 000 Fachkräfte wachsen. Auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte von der Bundesregierung gefordert, Deutschland durch die Zuwanderung von Fachkräften zukunftsfest zu machen.

Die Bundesregierung will mit einem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz mehr qualifizierte Erwerbstätige aus EU-Ländern und Drittstaaten für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen. Aber auch für Geringqualifizierte sieht die Bertelsmann-Untersuchung durchaus Chancen. 22 800 Geringqualifizierte aus EU-Staaten, die ein Arbeitsplatzangebot erhalten hatten, zogen im vergangenen Jahr nach Deutschland.

(dpa,epd,red)

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