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Metro-Chef muss Kriegsbeil begraben

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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© (FNP)

Geteiltes Leid ist halbes Leid, haben sich die Verantwortlichen bei Metro wohl gedacht, als sie beschlossen, den Konzern in zwei eigenständige börsennotierte Unternehmen aufzuteilen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, haben sich die Verantwortlichen bei Metro wohl gedacht, als sie beschlossen, den Konzern in zwei eigenständige börsennotierte Unternehmen aufzuteilen. Und die Finanzmärkte teilen diese Hoffnung offenbar – nur so ist zu erklären, dass die MDax-Aktie, die in den vergangenen Jahren nicht nur der Kurs-Entwicklung anderer europäischer Handelsriesen, sondern auch der allgemeinen Kurs-Entwicklung im Dax hinterher hinkte, gestern um bis zu 15 Prozent zulegte. Vorstandschef Olaf Koch scheint also auf gutem Weg zu sein, um das Problem des von Investoren üblicherweise angesetzten Abschlags für ein Konglomerat zu lösen.

Von der Aufspaltung profitieren könnte vor allem die Elektronik-Sparte Media Saturn, die als autonomes Unternehmen die Konsolidierung in der Branche vorantreiben und damit ihren Wert steigern könnte. Wo dieser derzeit liegt? Nun, im vergangenen Geschäftsjahr, das im September endete, verbuchte Saturn einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 700 Millionen Euro. Bei einer Bewertung des achtfachen-Ebitda – so werden die großen europäischen Konkurrenten im Schnitt bewertet – käme Media Saturn also auf 5,6 Milliarden Euro. Unter der Voraussetzung, dass das neue Unternehmen den Gang aufs Parkett schuldenfrei antreten kann, würde dies auf einen Aktienpreis von 14 Euro hinauslaufen.

Um sicherzustellen, dass Media Saturn tatsächlich mit dem Branchen-Ebitda-Multiplikator bewertet wird, muss Koch aber endlich das unsägliche, hausgemachte Leid der Elektronik-Sparte beenden: den erbittert geführten Machtkampf mit Media-Saturn-Mitbegründer und -Großaktionär Erich Kellerhals, der noch 21.67 Prozent an Europas größtem Elektronik-Händler hält. Seit Jahren liegt der 76-jährige Milliardär aus Salzburg schon im Clinch mit Metro und versucht deshalb auch mit allen Mitteln, den von Metro gegen seinen Willen in die Media-Saturn-Zentrale entsandten Vorstandschef Pieter Haas loszuwerden –, der nach den Plänen Kochs Media Saturn auch künftig leiten soll. Zugegeben: Da Kellerhals nur ein begrenztes Veto-Recht hat, bellt er laut, ohne wirklich gefährlich zubeißen zu können. Und die Art und Weise der Konzern-Aufspaltung begrenzt das mögliche Störfeuer des rebellischen Milliardärs. Aber wenn der Machtkampf, mit dem Koch und Kellerhals Media Saturn samt seinen 65 000 Beschäftigten in Geiselhaft halten, weiter tobt, wird er auch künftig Geschäft und Aktienkurs belasten. Deshalb muss Koch noch vor dem Börsengang das Kriegsbeil begraben.

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