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CDU

Weirich am Montag

Mitte, wo bist du?

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Seit die CDU mit einem bezeichnenden Gefühl der Erleichterung und Befreiung auf ihre neue Führung wartet, übt sie sich in einem das Publikum irritierenden „gesäßgeografischen Gesellschaftsspiel“.

Ob Ministerpräsident Laschet in seinem rheinischen Singsang oder sein kühl wie Fischblut agierender Waterkant-Kollege Günther, alle wollen sie keine Kursveränderung und in die Mitte. Auch auf die mittige Sonnenseite der Parteienlandschaft will Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und ist überzeugt, dass alle drei Bewerber für den Parteivorsitz diesem Anspruch genügen. Niemand definiert freilich, wo dieser auch von den politischen Konkurrenten angestrebte Platz in der goldenen Mitte liegt.

Befindet er sich in einem ergrünten Biotop in Phantasialand oder im angeblich nostalgischen Zurück in die Zukunft von Strukturkonservativen? Vielleicht erfährt man Genaueres, wenn sich die Kandidaten in acht Regionalkonferenzen der Parteibasis vorstellen.

Eine unheilvolle Rolle in der irrlichternden Kursbestimmung der Union spielen die Wahlforscher. Die große Mehrheit der Deutschen warne vor einem Rechtsruck, heißt es. Was dies aber inhaltlich bedeutet, damit lassen sie den Wähler allein. Solche Umfrageergebnisse überraschen nicht, denn das Wort „rechts“ löst hierzulande bereits ungute Gefühle aus und beinhaltet die Gefahr, in die „Radikalen-Schublade“ gesteckt zu werden.

Würden die Demoskopen die Deutschen fragen, ob in der Flüchtlingspolitik das Recht künftig unmissverständlich durchgesetzt werden müsse, dürften dieser Forderung zwei Drittel der Bevölkerung zustimmen. In der politischen Auseinandersetzung werden aber die Anhänger dieses Postulats von der Linken als Rechte denunziert.

Was links oder rechts ist, ist nichts anderes als eine Betrachtung aus dem Blickwinkel seines eigenen Koordinatensystems. Die Mitte versucht in der politischen Auseinandersetzung, jeder für sich in Anspruch zu nehmen, ob er nun links oder rechts von ihr von wem auch immer eingeordnet wird.

Wenn freilich Spitzenpolitiker der CDU fordern, es dürfe keine Kurskorrektur geben, fragt man sich, warum die Regierungspartei so schlechte Wahlergebnisse erzielt und Bundeskanzlerin Merkel in der Selbstverständniskrise der Partei den Rückzug vom Vorsitz antritt.

Die CDU hat die Chance zu einem neuen Anfang, der nicht mit der Verklärung einer ihren Markenkern missachtenden Vergangenheit vergeben werden sollte. Motor in einer sich digital verändernden Welt zu werden, Europa neu zu entdecken, der sozialen Marktwirtschaft neue Impulse zu geben und die Migration verantwortlich zu steuern, das wäre eine Politik, mit der sich die breite Mitte, und dazu gehört auch die demokratische Rechte, identifizieren könnte.

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