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Der salafistische Verein DawaFFM bleibt verboten. Foto: dpa

Islamisten ändern Vorgehensweise

Neue Taktik gegen Salafisten

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Salafisten nutzen nicht nur Gebetsräume oder die „Lies“-Kampagne, um neue Mitglieder anzuwerben. Mittlerweile gehören auch Sportvereine, Fitnessstudios und Lebensmittel-Läden dazu. Die Sicherheitsbehörden reagieren darauf.

Für die Sicherheitskräfte gelten manche Moscheen und Gebetsräume als Orte, wo Islamisten Jugendliche ansprechen. Auch die „Lies“-Kampagne, mit der Salafisten Kontakt zu Interessierten knüpfen, um radikale Ideen zu verbreiten, ist im Visier der Fahnder. Mittlerweile ist aber das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz zu der Erkenntnis gekommen, dass die sogenannten Radikalisierungsräume der Islamisten weitaus größer gespannt sind.

Nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zählen auch zum Beispiel Fitnessstudios, Sportvereine, Restaurants und sogenannte Halal-Lebensmittelgeschäfte dazu. Letztere haben sich auf muslimisches Konsumverhalten spezialisiert. Viele Produkte enthalten nur das, was nach islamischem Recht erlaubt (halal) ist. Der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, Robert Schäfer, sagte, diese Shops könnten zu einem Szenetreff werden, weil Salafisten besonderen Wert auf den Konsum solcher Produkte legten. Das Angebot dieser Läden reicht nach Angaben der Sicherheitsbehörde von Lebensmitteln, Kleidung und Kinderspielzeug über Hygiene- und Kosmetikprodukte bis hin zu medizinischen Dienstleistungen.

Wie viele solcher Geschäfte im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt sind, kann die Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK) nicht genau sagen. „Bei uns firmieren solche Läden unter dem Oberbegriff Lebensmittel“, so Elisa Pohland, Sprecherin der IHK Frankfurt. Zahlen kann auch der Handelsverband Hessen Süd nicht liefern. „Wer bei uns Mitglied werden will, tut das freiwillig“, so Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Außerdem könne der Verband solchen Unternehmungen, die möglicherweise im Frankfurter Bahnhofsviertel zu finden seien, kein Dienstleistungsangebot machen, was diesen nutzen würde, so Kullmann weiter.

Für den Verfassungsschutz sind die in der Regel kleineren Läden nicht die neuen Zielobjekte schlechthin. „Wir ermitteln nicht gegen die Eigentümer oder die Konsumenten solcher Geschäfte“, sagt Landesamt-Sprecher Marcus Gerngroß. Für die Sicherheitsbehörde komme es auf die Beobachtung der Salafistenszene an, die nach dem Verbot des Vereins „Die wahre Religion“ offenbar verstärkt neue Möglichkeiten suche, Anhänger zu rekrutieren. Rhein-Main & Hessen

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