Boris Tomic
+
Boris Tomic

Manfred Krupp ist neuer HR-Intendant

Neuer Intendant, alte Probleme

  • VonBoris Tomic
    schließen

Der Hessische Rundfunk hat einen neuen Intendanten – gestern wurde Manfred Krupp vom Rundfunkrat für das Amt bestätigt. Ab 4. März wird der jetzige Noch-Stellvertreter des Intendanten Helmut Reitze

Dornbusch, das passt. Denn es wird ein dorniger Thron für den Vollblut-Fernsehmann Krupp. Der knapp 60-Jährige muss in den nächsten sechs Jahren den angeschlagenen Fernseh- und Rundfunk-Dampfer wieder auf Kurs lenken. Sonst droht dem Sender der Untergang – oder die Fusion mit Landesrundfunkanstalten der Nachbar-Bundesländer.

Im aktuellen Etatplan für das laufende Jahr weist die Rundfunkanstalt ein Minus von 82 Millionen Euro aus. Eine gigantische Summe. Insgesamt hat der HR rund 500 Millionen Euro zur Verfügung, der ermittelte Bedarf für dieses Jahr liegt aber eben bei 582 Millionen Euro.

Dieses immense Minus ist primär der Bewertung der Rückstellungen für die Altersvorsorge geschuldet – eine Folge der andauernden Niedrigzinsphase und der damit einhergehenden gesetzlichen Bewertungsvorgaben. Zu üppige Renten versprach man in der Vergangenheit den Mitarbeitern. . .

Ändern können an der Regelung, dass man bei ausgeschiedenen Angestellten auf deren Altersbezüge immer auch die aktuell ausgehandelte Tariferhöhung aufschlägt, weder der Hessische Rundfunk und schon gar nicht der neue Intendant etwas. Politik und die Gewerkschaften sind hier gefragt – denn die heilige Kuh der Tarif-Freiheit können nur sie schlachten.

Gehen die Parteien diesen dringend notwendigen Schritt nicht zeitnah an, droht mittelfristig nicht nur dem hessischen Landessender der Garaus – das Problem stellt sich bei (fast) allen öffentlichen Rundfunkanstalten der Republik. Der öffentliche Dienst hat es vorgemacht, dort wurden die Erhöhungen für die Pensionäre gedeckelt.

Woran der neue Intendant aber etwas ändern kann und sicher auch muss, ist die nicht von der Hand zu weisende Kritik, dass es sich beim HR quasi um eine Pensionskasse mit angeschlossener Sendevorrichtung für Wiederholungsprogramme in Endlosschleife handelt. Das zielt explizit auf die Programmgestaltung und die Herausforderung des digitalen Zeitalters wie etwa Livestreaming, Mediatheken und mobile Angebote zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eine riesige Baustelle für Manfred Krupp.

Der Sender wird gerade von der jüngeren Generation nur noch mit sehr spitzen Fingern angefasst – kein Wunder, schaut man etwa auf das heutige, samstägliche Abendprogramm, wo ab 20.15 Uhr bis zum Sendeschluss solche TV-Kracher wie „Lachen bis zum Tusch“ oder „Der Grand Prix der strammen Waden“ die Sendezeit verschwenden.

Boris.Tomic@fnp.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare