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Ein Model zeigt einen Burkini-Schwimmanzug.

Pro und Kontra Burkini

Nicht nur Frauensache

Die französische Burkini-Debatte polarisiert. Auch in Deutschland. Unter Muslimen wird darüber ebenso heftig diskutiert wie in feministischen Kreisen. Die wichtigsten Argumentationslinien der Gegner und Befürworter des Verbots:

Burkinis sind unhygienisch. Einige österreichische Badeanstalten verwehren Frauen im Burkini mit dem Verweis auf hygienische Gründe den Zutritt. Auch ein Hallenbad im bayerischen Neutraubling hat Schwimmerinnen im Ganzkörperschwimmanzug abgewiesen. Zuvor hatten sich Frauen in dem Bad über eine Schwimmerin im Burkini beschwert.

Der Burkini ist historisch betrachtet ein Rückschritt. Freizügige Badekleidung war auch in Europa früher tabu. Mit dem Burkini kehren wir zurück in prüde Zeiten.

Der Burkini macht Frauen unfrei. Wenn der Burkini verboten ist, haben Mädchen, die im Badeanzug schwimmen wollen, bessere Argumente, wenn sie konservative Eltern überzeugen müssen.

Der Burkini sorgt dafür, das sich andere Frauen im Bikini nackt fühlen. In Europa ist der Burkini ein Minderheitenphänomen. An einigen Stränden in der arabischen Welt ist es genau umgekehrt. Dort fühlen sich die wenigen – auch einheimischen – Frauen, die in Badeanzug oder Bikini schwimmen, manchmal unwohl. Sie stören sich allerdings nicht an den Burkini-Frauen selbst, sondern an den Blicken ihrer männlichen Begleiter.

Wer sich selbst komplett verhüllt, setzt die anderen herab. Für viele Musliminnen ist die Frage der Verhüllung eine persönliche religiöse Frage. Einige verbinden sie aber auch mit einem moralischen Urteil. „Der Burkini ist für mich das Mittelmaß zwischen Niqab (Gesichtsschleier) und Bikini: Weder zu konservativ noch zu unmoralisch“, zitierte „Jetzt“, das Jugendmagazin der „Süddeutschen Zeitung“ kürzlich eine Frau aus Tunis.

Schon wieder müssen es die Frauen ausbaden. Frauen, die Kopftuch oder Burkini tragen, sind optisch leichter als muslimisch zu identifizieren als männliche Muslime. Sie müssen deshalb im Alltag häufiger Anfeindungen von islamfeindlich eingestellten Menschen ertragen. Religiös-konservative muslimische Männer tragen zwar keine engen, knappen Badehosen. An ihren etwas längeren weiten Badehosen, die an den Surfer-Look erinnern, nimmt – völlig zu Recht – jedoch niemand Anstoß.

Rechten „Feministen“ geht es nicht um Frauenrechte. Die Brandenburger AfD fordert ein Burkini-Verbot. In Österreich wettert die FPÖ gegen jede Form der islamischen Verhüllung und argumentiert dabei auch immer wieder mit der „Unterdrückung der Frau“. Jelena Gucanin, hält das für scheinheilig. Sie wirft den Rechten Sexismus vor. In einem ironischen Kommentar für das österreichische Frauenmagazin „Wienerin“ schreibt sie: „Schließlich wird uns in unserer freien Gesellschaft beigebracht, dass unsere Körper nie perfekt sind. Dass sie ständig von Männern bewertet werden müssen. Dass sie immer verfügbar sein müssen.“

Die Hygiene-Bedenken sind nur vorgeschoben. Warum sollte mehr Badeanzug-Stoff unhygienischer sein als ein kleineres Stück des gleichen Materials?

Frauen werden ihrer Freiheit beraubt. Früher gingen streng religiöse Frauen gar nicht schwimmen. Der Burkini gibt ihnen jetzt die Möglichkeit, das zu tun.

Verbote erzeugen Trotz-Reaktionen. Muslime, die glauben, ein Frauenkörper solle in der Öffentlichkeit bis auf das Gesicht komplett verhüllt sein, werden durch das Verbot ausgegrenzt. Mögliche Folge ist ein Rückzug in ein rein-muslimisches Umfeld.

Sexismus ist kein Fortschritt. In westlichen Staaten sind nackte oder leicht bekleidete Frauen allgegenwärtig – in der Werbung und auf Titelbildern. Teile der Feminismusbewegung beklagen, die Frau werde dadurch zum stets verfügbaren Objekt gemacht. Sie sagen: Das Recht, sich öffentlich auszuziehen, ist keine Emanzipation.

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