+

Nicht mehr auszuhalten

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
    schließen

Das Maracana hat die Geburtsstunden so mancher Mythen erlebt. Am Freitagabend nun wurde zur Eröffnung der Sommerspiele in Brasiliens Nationalheiligtum Thomas Bach zum entschlossenen Kämpfer für eine bessere Welt.

Das Maracana hat die Geburtsstunden so mancher Mythen erlebt. Am Freitagabend nun wurde zur Eröffnung der Sommerspiele in Brasiliens Nationalheiligtum Thomas Bach zum entschlossenen Kämpfer für eine bessere Welt. Einer, der brutalstmöglich anprangert, dass Egoismus und Selbstsucht an Boden gewinnen, dass „gewisse Menschen sich über andere stellen“ wollen. Natürlich außerhalb seiner olympischen Welt. In dieser nämlich sind für den obersten Herrn der Ringe „alle gleich“. Es war ein Auftritt, der eigentlich eine Goldmedaille verdient gehabt hätte, in einer Disziplin, die seit jeher zu Olympia gehört, es aber nie ins Wettkampfprogramm geschafft hat. Und die IOC-Boss Bach zur Perfektion gebracht hat: Heuchelei.

An Zynismus sind diese Worte nicht zu überbieten. Was sie wirklich wert sind, zeigten am Sonntag dann beispielsweise die Kollegen vom Paralympischen Komitee. Anders als das IOC in Bezug auf Olympia sperrten sie die russischen Athleten für die Weltspiele der Behindertensportler. Weil das ganze System korrupt und nicht mit den weltweiten Regeln im Anti-Doping-Kampf vereinbar sei. In der olympischen Welt Bachs aber sind ja alle gleich. Und manche sogar noch ein bisschen gleicher. Die russischen Freunde und Förderer zum Beispiel, die man doch lieber nicht verprellen möchte, auch wenn sie vielleicht mal etwas falsch gemacht haben. Ganz oben auf dem Olymp zählen die wirklichen Werte dieser feinen Bewegung: Macht und Reichtum zum Beispiel. Oder in Bachs Worten: Egoismus und Selbstsucht. Ob er seine Rede vor dem Spiegel geübt hat? Es ist nicht mehr auszuhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare