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Der Niedergang der AfD

  • Klaus Späne
    vonKlaus Späne
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Mit 15 Prozent stärkste Oppositionspartei in Baden-Württemberg; 24 Prozent-Rekordergebnis in Sachsen-Anhalt; für die Partei verheißungsvolle Prognosen für die kommende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Mit 15 Prozent stärkste Oppositionspartei in Baden-Württemberg; 24 Prozent-Rekordergebnis in Sachsen-Anhalt; für die Partei verheißungsvolle Prognosen für die kommende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Bundestagswahl 2017; dazu der Rückenwind für Europa-Kritiker und Rechtspopulisten nach dem Brexit-Votum der Briten: Eigentlich müsste die AfD derzeit auf einer Glückswolke schweben angesichts dieses Traumszenarios. Mitnichten, wie das Chaos in Stuttgart zeigt, wo gerade ein Hauen und Stechen im Gange ist, das hinter einem Shakespeare-Drama nicht viel zurücksteht.

Nur vordergründig sind die Protagonisten in diesem Polit-Schauspiel AfD-Landes- und bisheriger Fraktionschef Jörg Meuthen und der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon, ein Verfasser antisemitischer Schriften. Hinter dem Konflikt steckt aber weit mehr, nämlich ein veritabler Machtkampf in der Führungsriege der Bundes-AfD, das hat die Stuttgarter Posse nun mit aller Deutlichkeit sichtbar gemacht.

Schon seit Monaten versucht Meuthen im Verbund mit Parteivize Alexander Gauland und dem thüringischen Rechtsausleger Björn Höcke seine Co-Vorsitzende Frauke Petry als Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl zu verhindern. Dabei spielen auch persönliche Animositäten eine Rolle. Schließlich sind Meuthen und Co. Frauke Petry und ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzel, AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen sowie Europaparlamentarier, in herzlicher Abneigung verbunden. Wenig verwunderlich, dass Petry ihrerseits zurückkeilt und ohne jegliche Rückendeckung mit den Parteikollegen kräftig auf der Stuttgarter Bühne mitmischt. Klar, wenn’s dem Konkurrenten schadet, sind alle Mittel recht.

Mittlerweile scheinen aber alle Dämme gebrochen zu sein, nachdem sich Petry mit der Rumpf-AfD in Stuttgart solidarisierte, ihre Bundesvorstandskollegen wiederum mit den „Meuthianern“. Damit dürften Petrys Tage an der Parteispitze gezählt sein. Ob damit aber nun Gut gegen Böse gewinnt? Nicht wirklich, zumal der sich seriös gebende Meuthen sich zwar vom Antisemitismus abgrenzt, auf der anderen Seite aber, wie auch Gauland, mit dem völkisch angehauchten Höcke gemeinsame Sache macht.

Und die Moral der Geschicht’? Wieder einmal zeigt sich, dass Rechtspopulisten alles andere als vertrauenswürdige Akteure und somit keine ernstzunehmende Kraft in der Politlandschaft sind. Dass ihr auf Krawall und Ressentiments gebürstetes Weltbild letztendlich in einen einzigen Intrigantenstadl mündet. Wenn das die Alternative für Deutschland sein soll, na dann Prost Mahlzeit. Schade nur, dass vielen Wählern dies bislang offenbar schnuppe war und sie trotzdem in Scharen ihr Kreuzchen bei der AfD gemacht haben. Das dürfte sich nun ändern. Zumindest im Westen der Republik könnte dies – bei aller gebotenen Vorsicht – der Anfang vom Niedergang der AfD sein.

klaus.spaene@fnp.de

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