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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer nehmen in Berlin an den Sondierungsgesprächen mit der SPD teil.

Sondierung

Offenes Ende in jeder Hinsicht

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Ab Mittag um zwei wird es ernst. Dann beginnt das Finale des Ringens um eine neue große Koalition. Indes: Es ist nur ein allererstes, dem mindestens noch eines folgen wird – beim SPD-Parteitag am 21. Januar.

So kriegt Mann Aufmerksamkeit: Einfach in schwarzer Schlabberhose und grüner Trainingsjacke in der CDU-Zentrale einlaufen, morgens viertel nach acht. Die Foto-Tweets sind garantiert. Wo sonst wenig bis gar nichts Aufregendes zu erwarten ist, wird selbst ein notorisch Reizloser wie Olaf Scholz zum Ereignis. Wenigstens für die sozialen Netzwerker.

Um eine Art Netz geht es im Adenauer-Haus schon wieder seit morgens um sieben. Gleichermaßen belastbar wie stabil, auch engmaschig, aber nicht komplett unflexibel: So ungefähr muss sein, was am Freitag der Republik und zehn Tage darauf dem SPD-Parteitag präsentiert werden soll.

Kein Mensch, auch die drinnen nicht, weiß bislang, woraus genau es geknüpft sein wird. Das Ding hat ja noch nicht einmal einen richtigen Namen. Sondierungsergebnis muss man es wohl nennen.

Sicher ist nichts von dem, was über die Tage hinweg trotz aller Schweigeverpflichtungen und -gelübde aus der Hermetik der Verhandlungszentren nach draußen gelangt, manches allerdings wahrscheinlicher als anderes.

Dass Union und SPD das Klimaschutzziel 2020 kippen, klingt nach ihren Versäumnissen in den zurückliegenden vier Jahren hoch plausibel. Ob sie der Automobilindustrie tatsächlich die Nachrüstung ihrer nur auf schadstoffarm getricksten Dieselmotoren aufgeben wollen, gehört indes bis Freitag in die Rubrik Spekulation.

Und dort muss auch alles einsortiert werden, was zum Thema Familiennachzug für Flüchtlinge kursiert. Soll seine Aussetzung über den 18. März hinaus verlängert werden, drängt die Zeit. Und siehe: Ab Mittwochmorgen bekommt der Begriff „Härtefallregelung“ Konjunktur. Aber wie hat CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gesagt, der am Dienstag für die offizielle Öffentlichkeitsarbeit zuständig gewesen ist: „Nix iss fix.“ Kürzer geht’s nicht. Mittwochmorgen braucht SPD-Vize Ralf Stegner per Twitter deutlich mehr Wörter. „Lese viel Falsches, was angeblich vereinbart sei“, schreibt er. Und: „Skepsis war, ist und bleibt begründet.“

Das klingt schon sehr anders als Scheuers „gute Grundlage des Vertrauens und der Kollegialität“, der er noch hinzugefügt hat: „An dem soll’s nicht scheitern.“ Heißt: Aber an anderem eventuell schon.

Im Willy-Brandt-Haus werden sie heute Mittag ab zwei ins Finale gehen. Entweder gleich in ganz großer 39er-Runde – oder, falls es nötig ist, auch zunächst zu sechst: Angela Merkel, Martin Schulz, Horst Seehofer, Volker Kauder, Andrea Nahles, Alexander Dobrindt. Ab dann gilt: Offenes Ende in jeder Hinsicht.

Sicher ist nur, dass es ums Geld gehen wird. Wie viele der in Rede stehenden 45 Milliarden Euro wofür eingeplant werden sollen.

„Die Methode Merkel“ nennt FDP-Chef Christian Lindner das in einem Interview, das am Mittwoch erscheint. „Das Geld wird rausgeworfen. Jede Partei wird eingekauft.“ Mann muss also nicht joggen. Mann kann auch ganz anders um Aufmerksamkeit heischen.

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