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Organspender verzweifelt gesucht

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Die Zahl der Organspenden in Deutschland stagniert auf niedrigem Niveau. Transplantationsexperten sehen Hausärzte und Kliniken in der Pflicht, den Engpass zu bekämpfen. Der zuständige Minister lehnt Gesetzesänderungen ab.

Es ist eine ernüchternde Bilanz, die beim 12. Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gezogen wurde: Rund 10 000 Deutsche warten derzeit auf eine dringend benötigte Organspende. Jedes Jahr sterben rund 1000 Menschen, weil sie vergeblich auf die lebensrettende Transplantation warten.

Die Aussicht auf eine baldige Verbesserung der Situation ist gering. Von Januar bis Oktober dieses Jahres wurden lediglich 2383 Organe gespendet. Das sind noch einmal drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), sagte. Allein zwischen 2011 und 2014 ist die Zahl der Spender laut DSO-Statistik um rund ein Drittel auf das aktuelle Niveau gesunken – wohl auch eine Folge der zahlreichen Transplantations-Skandale, die die Bundesrepublik erschütterten.

Hausgemachtes Problem

Die bittere Folge: Während die Wartezeit für eine neue Niere in Deutschland inzwischen fast sieben Jahre beträgt, liegt diese in Ländern wie Spanien, Norwegen oder Kroatien bei unter einem Jahr. Das liegt auch daran, dass in den meisten EU-Ländern automatisch jeder nach seinem Tod zum potenziellen Organspender wird, wenn er zu Lebzeiten nicht dagegen widersprochen hat. In Deutschland ist es genau andersherum.

Doch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) lehnt die Einführung der Widerspruchspflicht nach dem Vorbild anderer Länder in Deutschland ab. „Niemand ist Kollektiveigentum der Gemeinschaft“, sagte er während des DSO-Kongresses. „Wir kennen das alle. Nehmen ist leichter als Geben“, kommentiert Axel Rahmel das Dilemma.

Auf Gesetzesänderungen dringen allerdings auch die DSO-Chefs nicht. Sie sehen vor allem Klinikpersonal und Hausärzte in der Pflicht, die Zahl der Spender durch Aufklärung und engere Kooperation mit der Stiftung zu erhöhen. Die Zahl der Kliniken nehme ab, während immer mehr Patienten auf Intensivstationen betreut würden. Dies und das zunehmende Profit-Streben der Klinikbetreiber sorge für eine immense Arbeitsbelastung des Personal. Die denke oft aus Zeitnot nicht daran, die nötigen Schritte für eine Organtransplantation einzuleiten, kritisiert Rahmel. „Wir müssen mit den gesetzlichen Krankenkassen darüber sprechen, dass man ein System nicht totsparen kann“, sagt Prof. Björn Nashan, Vorsitzender des DSO-Stiftungsrates.

Ein weiteres Hindernis stelle oftmals die Patientenverfügung dar. Wer sich hier pauschal gegen lebenserhaltende Maßnahmen ausspreche, falle als Spender aus, selbst wenn er einen Organspendeausweis besitze. Denn wenn nach dem Hirntod der Körper nicht weiter beatmet wird, sind auch dessen Organe nicht mehr verwertbar.

Pro verstorbenem Spender könnten theoretisch bis zu sieben Organe für einen noch lebenden Patienten gewonnen werden. In der Praxis liegt die Zahl der entnommenen Organe laut Statistik bei 3,3 pro Spender. „Die Spender sind im Schnitt 55 Jahre alt. Altersbedingte Nebenerkrankungen reduzieren die Zahl der gespendeten Organe“, erläutert Axel Rahmel.

Fakt ist jedoch: Es mangelt in Deutschland vor allem an Spendern. Dabei stehen laut Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weiterhin 81 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüber. Die Zahl jener, die eine Entscheidung zur Organspende getroffen und dokumentiert haben, ist gar von 22 Prozent 2012 auf inzwischen 36 Prozent gestiegen. Mit Material von kna

Weitere Informationen zur Organspende gibt es im Internet unter oder telefonisch unter 08 00-6 65 54 56.

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