Internetfahnder suchen im Internet gezielt nach Kinderporno-Tauschbörsen und versuchen Opfer und Täter zu ermitteln.
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Internetfahnder suchen im Internet gezielt nach Kinderporno-Tauschbörsen und versuchen Opfer und Täter zu ermitteln.

Wie Fahnder Kinderschänder aufspüren

Pädophilen im Internet auf der Spur

  • vonMirco Overländer
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Der Kinderporno-Skandal von Limburg sorgt für Empörung und wirft viele Fragen auf. Etwa: Weshalb horten Menschen Bilder nackter Kinder an ihrem Arbeitsplatz, und wie gelangen sie an das Material? Ein Experte erklärt, wie die Behörden Pädophilen auf die Spur kommen und weshalb es wichtig ist, verurteilte Straftäter zu therapieren.

Nach Recherchen dieser Zeitung wurde vorgestern bekannt, dass der Büroleiter des Limburger Bischofs kinderpornografisches Material auf dem Computer seines Arbeitsplatzes gespeichert haben soll. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Doch gerade, da sich das Bistum vom Skandal um den abgesetzten Protz-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erholt, wird der Dom zu Limburg erneut von einer Schreckensmeldung heimgesucht.

Für Georg Ungefuk, Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, und seine Kollegen der 2010 gegründeten Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) gehört der Kampf gegen Kinderporno-Tauschringe und Einzeltäter zum Alltag. „Es gibt heute sehr viele Wege, Kinderpornos zu tauschen und zu erlangen. Im Internet gibt es einige Plattformen, die man nur über Eingeweihte und über entsprechende Links erreicht“, sagt Ungefuk. Einschlägiges Bild- und Videomaterial zirkuliere aber auch auf Messaging-Diensten wie ICQ oder WhatsApp.

Eine internationale Szene

Pädophile, die ihre Neigung ausleben möchten, müssen nicht unbedingt Geheim-Gruppen im Darknet angehören, um an Material zu gelangen. Mitunter sei dieses auch auf leicht zugänglichen Tauschbörsen erhältlich. „Die Größe variiert stark. Kinderpornographische Boards kommen und gehen, auch Ermittlungsbehörden decken sie auf und nehmen sie vom Netz“, erklärt Georg Ungefuk.

Bei der großen Menge an im Netz kursierender Kinderpornographie seien viele Netzwerke und Nutzer international ausgerichtet, oft werde Englisch gesprochen. Regelmäßig stoßen die Ermittler bei ihren Recherchen auf altes Material, das bereits seit Jahren zirkuliert. Es kommen aber auch stets neue Bilder und Videos hinzu. „Dann versuchen wir festzustellen, welches Land und welches Kind betroffen sind“, erklärt Ungefuk.

Sogenannte Schulfahndungen, bei denen Polizisten Lehrer um Unterstützung bei der Identifizierung bitten, seien extrem wichtig, um fortdauernden Missbrauch von Kindern zu beenden. Da Kinderporno-Tauschringe auch grenzübergreifend aktiv sind, müssen die Fahnder regelmäßig ihre Kollegen im Ausland um Amtshilfe bitten.

Besonders schwere Fälle

Die fünf Staatsanwälte, die im ZIT auf die Verfolgung von Pädophilen spezialisiert sind, beobachten die Szene im Einzelfall auch selbst. Für die Ermittlungsarbeit sind jedoch vor allem die Polizei sowie die Zollfahndungsbehörden zuständig. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) leitet häufig Informationen an das ZIT weiter. Auf den Schreibtischen von Georg Ungefuks Kollegen landen daher vor allem Ermittlungsverfahren von besonderem Umfang und besonders aufwendige Verfahren mit Auslandsbezügen.

Momentan sei zu beobachten, dass viele Täter versuchen, in die Anonymität des Darknet abzutauchen und so dem Zugriff der Fahnder zu entgehen. Doch trotz der mitunter großen kriminellen Energie, die manch Pädophiler an den Tag lege, plädiert Ungefuk dazu, Pädophilie als krankhafte Störung der Sexualpräferenz zu betrachten, die es – auch im Sinne der Opfer – zu therapieren gelte.

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