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Möchte keine AfD-Wähler im Verein haben: Eintracht-Präsident Peter Fischer.

Eintracht Frankfurt

Peter Fischer erneuert AfD-Kritik und bekommt Rückendeckung

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Nach seinen ablehnenden Äußerungen gegen AfD-Anhänger erfährt der Präsident der Frankfurter Eintracht überwiegend Rückendeckung. Die hessische AfD allerdings sieht eine rote Linie überschritten.

Die verbale Breitseite von Eintracht-Präsident Peter Fischer in einem „FAZ“-Interview gegen AfD-Wähler sorgte auch am Freitag dafür, dass die Wogen noch einmal hochgingen. Und wer gedacht hatte, dass Fischer nach seiner klaren Kante gegen Anhänger der rechtspopulistischen Partei alleine dastehen würde, sah sich getäuscht. Die ersten Äußerungen aus Hessens Politik und Sport deuten im Gegenteil sogar darauf hin, dass der 61-Jährige einige Rückendeckung erfährt.

„Fußball lebt wie der ganze Sport von Respekt und Toleranz. Die AfD steht für das brutale Gegenteil“, kommentierte Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der hessischen SPD, die Fischer-Äußerungen als einer der wenigen Politiker, die zwischen den Jahren erreichbar waren. „Ich bin deshalb Peter Fischer dankbar für seinen Vorstoß und seine Haltung“, fügte Schäfer-Gümbel hinzu.

Zurückhaltender gab sich Ministerpräsident Volker Bouffier. „Das ist Sache der Eintracht“, sagte der CDU-Politiker. Ansonsten wolle er die „,Äußerung von Herrn Fischer nicht kommentieren“, merkte Bouffier an.

Deutlicher wurde da Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt. „Wenn ich die Grundsätze und die Handlungsweise der AfD angucke, widerspricht das den Grundsätzen des organisierten Sports“, meldete sich Frischkorn aus seinem Urlaub auf Gran Canaria zu Wort. Und Frischkorn, dessen Sportkreis 460 Frankfurter Turn- und Sportvereine sowie rund 160 000 Sportler aus Frankfurt vertritt, wurde noch deutlicher.

Er sei dankbar dafür, dass Fischer als Vorsitzender des größten Sportvereins in Frankfurt so klare Worte gefunden habe. Bedenken, dass Fischer mit seinen Äußerungen eine demokratisch gewählte Partei ausgrenze, lässt Frischkorn nicht gelten. Demokratie heiße nicht, dass man Rassismus unterstützen müsse. Die Satzungen der Vereine, die dem Sportkreis angehörten, verböten sogar explizit Rassismus. Frischkorn bezog sich damit auf eine Äußerung Fischers, der in einem Interview der AfD rassistische und menschenverachtende Tendenzen vorgeworfen hatte.

Ob er verstehen könne, dass sich AfD-Anhänger unter den Eintracht-Mitgliedern verletzt fühlen, wie die beiden Landesvorsitzenden der Partei argumentiert hatten? „Sie müssen sich von den Inhalten der AfD distanzieren, dann brauchen sie sich nicht verletzt zu fühlen“, sagte Frischkorn, der auch eine breite Unterstützung für den Eintracht-Präsidenten in den sozialen Netzwerken sieht.

Peter Fischer selbst verschärfte unterdessen den Ton noch einmal und untermauerte im Gespräch mit der Sportredaktion des Hessischen Rundfunks seine harsche Kritik an der AfD. „Es gibt für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben“, sagte Fischer.

Das wiederum rief gestern den Landesvorstand der AfD Hessen erneut auf den Plan. Als „völlig inakzeptabel“ bewerten die Landessprecher der Partei, Robert Lambrou und Klaus Herrmann, die jüngsten Äußerungen, die sie auch auf die Anträge auf Mitgliedschaft bei der Eintracht bezogen. Diese hatten sowohl Lambrou als auch Herrmann demonstrativ nach Erscheinen des Interviews in der Donnerstagausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gestellt.

„Allerspätestens mit diesen Äußerungen wurde von Herrn Fischer eine rote Linie deutlich überschritten, die eine strafrechtliche Prüfung von unserer Seite einfach zwingend erforderlich macht“, teilten die beiden AfD-Vorstandssprecher gestern offiziell mit. Gleichzeitig erneuerten sie das Gesprächsangebot an den Club-Chef.

„Wir werden heute Nachmittag eine E-Mail an Herrn Fischer schreiben, in dem wir ihm erneut ein Gespräch anbieten“, kündigten sie an. Parallel werde man ein weiteres Gesprächsangebot an den gesamten Vorstand von Eintracht Frankfurt senden. „Wir vertrauen darauf, dass im Führungsgremium des Sportvereins besonnene Mitglieder sitzen, denen die jüngsten Entwicklungen ebenfalls missfallen“, hieß es.

Und was die Mitgliedsanträge betrifft, so gibt es laut den beiden AfD-Sprechern noch keine offizielle Reaktion des Vereins. Beide Antragsteller erwarten, wie sie gestern öffentlich betonten, dass sie in Kürze Eintracht-Mitglied werden. Klaus Herrmann brachte seine Position auf den Punkt: „Es spricht doch gar nichts dagegen. Eine AfD-Mitgliedschaft als Grund für die Ablehnung zu sehen, wäre gleichbedeutend mit einer politischen

Gesinnungsprüfung

von Neuanträgen.“

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