Zentralrat der Juden in Deutschland übt scharfe Kritik

Protest gegen Auftritt von Hass-Rapper Kollegah in Rüsselsheim

Der geplante Auftritt des Rappers Kollegah beim Hessentag 2017 in Rüsselsheim wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland scharf kritisiert. Die Stadt schweigt bislang zu den Vorwürfen, das Management des Künstlers sieht keine Probleme.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wendet sich zusammen mit weiteren jüdischen Organisationen mit einem offenen Brief an die Stadtverordneten Rüsselsheims und den Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU). Sie kritisieren, dass zum Hessentag 2017 auch dem Rapper Kollegah eine Bühne geboten werden soll. Er soll mit mehreren anderen Musikern während einer Rap-Night auftreten.

„Als ältestes und größtes Landesfest in Deutschland verfolgt der Hessentag das Ziel, die verschiedenen Regionen Hessens darzustellen und zu präsentieren. In diesem Jahr soll nun offenbar auch Hass präsentiert werden“, schreiben der Zentralrat, das Zentrum für psychosoziale Hilfe für Überlebende des Holocaust in Israel (I AMCHA), der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen sowie weitere jüdische Organisationen.

In dem offenen Brief bezeichnen die Organisationen den Rapper Kollegah als „Sänger, der Antisemitismus, Homophobie und Gewalt gegen Frauen propagiert, der zu Gewalt gegen Minderheiten und Schwächeren aufruft“. Daniel Neumann, Geschäftsführer des hessischen Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, sagt: „Was die Menschen sich anhören, bleibt jedem selbst überlassen. Aber mit so einem Auftritt wird der Anschein von gesellschaftlicher Legitimität erzeugt, und das ist doch eine Schande.“ In den Texten Kollegahs kämen alle Stereotype vor, „die das Hetzer-Herz begehrt. Wir sollten gemeinsam dafür kämpfen, dass so etwas in der Mitte der Gesellschaft keinen Platz findet“.

Der Auftritt Kollegahs ist während des Hessentags am 14. Juni geplant und soll Teil einer „Rap-Night“ sein, bei der mehrere Künstler auf der Bühne stehen werden.

Das Konzert der Rapper ist seit Monaten umstritten, der Magistrat der Opelstadt hatte zwischenzeitlich den Kartenvorverkauf gestoppt. Diese Entscheidung wurde jedoch von den Stadtverordneten wieder rückgängig gemacht. Aufgrund der anhaltenden Debatten hatte sich zuletzt auch die hessische Staatskanzlei eingeschaltet.

Die nächsten Hessentagsstädte Korbach und Bad Hersfeld seien darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass „solche Künstler auf Hessentagen nach unserem Dafürhalten nicht auftreten sollten“, sagte Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU).

Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt hat sich bislang angesichts des anhaltenden Drucks gegen das Konzert und auch nach der Stellungnahme der Staatskanzlei unbeeindruckt gezeigt. Er stehe zu der Entscheidung für das Konzert und halte es nach wie vor für richtig, sagte Burghardt noch in der vergangenen Woche.

Weder die Stadtverwaltung noch der Oberbürgermeister äußerten sich gestern zur neuerlichen Kritik, kündigten jedoch für heute eine Stellungnahme an.

Initiiert wurde der offene Brief vom Berliner Zentrum für psychosoziale Hilfe für Überlebende des Holocaust in Israel. Sprecher Holger Michel sagt, dass man bereits vor einiger Zeit im Internet vom geplanten Konzert Kollegahs auf dem Hessentag erfahren habe. Man sei bass erstaunt gewesen, dass für ein von Steuergeldern finanziertes Fest ein solcher Musiker gebucht werde. „Wir finden es einfach nicht tragbar, solch einer Person ein so großes Forum zu bieten“, sagt Holger Michel. Auch wenn Kollegah viele seiner umstrittenen Songs auf der Rap-Night nicht spielen dürfe, so sei die Signalwirkung dennoch fatal. „Wir hoffen, dass sich die Politiker noch einmal intensiv mit der Person und den Texten beschäftigen.“ Zur Frage, ob der Verein eine Protestaktion plane, sollte das Konzert trotz der anhaltenden Kritik stattfinden, wollte sich Holger Michel nicht äußern.

Kollegah hält sich in der Diskussion bedeckt. Aus dem Umfeld des Rappers heißt es, dass Kollegah auch zu dem offenen Brief keine Stellungnahme abgeben wird. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt ein Mitarbeiter des Managements lediglich: „Wir freuen uns, dass es in Rüsselsheim und Hessen so coole Politiker gibt, die den Kids ein solches Konzert ermöglichen.“ Man sehe die Diskussion gelassen.

 

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