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Wirtschaftsminster Peter Altmaier (CDU, M) spricht mit Anwohnern, die gegen den Ausbau der Stromautobahn Ultranet protestieren.

Hochspannungsleitungen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wirbt für Stromtrasse - Bürger protestieren

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Viele Bürger wollen keine höheren Strommasten oder neue Hochspannungsleitungen nahe an ihren Wohnhäusern – bei der Energiewende aber muss das Stromnetz massiv ausgebaut werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warb gestern in Hessen für den Ausbau – und stieß auf Protest.

Main-Taunus-Kreis - Der Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken hat zur Folge, dass viel mehr Strom aus erneuerbarer Energie vom Norden in den Süden Deutschlands transportiert werden muss. Dafür sind neue Trassen nötig, die zum Teil auch durch Hessen verlaufen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und sein hessischer Amtskollege Tarek Al-Wazir (Grüne) haben sich am Freitag gemeinsam ein Bild von der Planung gemacht, die bei den Anwohnern nicht nur Freude auslöst.

Die beiden auch für Energie zuständigen Minister kündigten in Wiesbaden an, für die endgültige Trassenverlegung so weit wie möglich noch Wünsche aufzugreifen. Klar ist aber auch: Das Ganze muss zu einem vertretbaren Kostenaufwand und in angemessener Zeit realisierbar sein.

Bis zum Sommer will Altmaier weitgehend Klarheit über den genauen Verlauf der Trassen haben, wie er gestern betonte. Zuvor soll es noch einmal ein Gespräch in großer Runde mit allen beteiligten Bundesländern geben. Im Mittelpunkt des Streits steht in Hessen Ultranet, eine neue Trasse für Gleichstrom, die auf schon bestehenden Masten für Wechselstrom aufgesetzt wird. Altmaier und Al-Wazir heben als großen Vorteil hervor: Dafür ist kein Bau einer neuen Stromtrasse mit allen damit verbundenen Umweltbelastungen nötig.

Wunsch nach Erdkabel

Bürgerinitiativen befürchten gesundheitliche Probleme, etwa durch dabei entstehende Ionen, also elektrisch geladene Teilchen, oder auch Lärm. Bei einer Kundgebung gestern in Niedernhausen stand auf einem Plakat: „Peter, gib uns ein ,E‘“. Peter steht für den Minister, und „E“ steht für Erdkabel. Die aber sind wesentlich teurer als Strommasten über der Erde, und auch Erdkabel strahlen.

Altmaier will den Anwohnern die Sorge nehmen und verspricht eine umfassende Einbindung des Bundesamts für Strahlenschutz in die Planung. Mit dem Grünen Al-Wazir ist sich der CDU-Politiker einig: „Die Energiewende muss gelingen.“

Nach der Abschaltung der Atomkraftwerke und dem Ende der die Luft belastenden Kohlekraftwerke halten es beide für unerlässlich, zum Beispiel mehr Windenergie von Küstenländern wie etwa Mecklenburg-Vorpommern in die Mitte und den Süden Deutschlands zu bringen. Vor allem wegen der dichten Industrieansiedlung könne in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern nun einmal nicht genug Strom aus erneuerbarer Energie produziert werden, um eine umfassende Versorgung sicherzustellen.

Kommentar zu Ultranet: Bürger unter Strom

Al-Wazir hat sich zum Ziel gesetzt, dabei „die Bürger mitzunehmen“, und will sich dafür einsetzen, die Stromtrasse wo immer möglich von der Wohnbebauung abzurücken. Der Netzausbau sei aber ebenso wie der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energie sehr wichtig.

Altmaier lobt den grünen Gesprächspartner: „Wir wollen beide den Erfolg der Energiewende.“ Schließlich soll der Anteil der Erneuerbaren bis zum Jahr 2030 in Deutschland auf 65 Prozent steigen, so hat es die große Koalition vereinbart. Der CDU-Politiker betont, das sogenannte Netzausbau-Beschleunigungsgesetz bedeute keinen Abbau der Bürgerbeteiligung. Es solle aber sicherstellen, dass schon rechtsgültig genehmigte Trassenteile gebaut werden können, bevor auch der letzte Streckenabschnitt juristisch unter Dach und Fach ist.

Und Al-Wazir erinnert daran, dass er auch beim Bau des Riederwaldtunnels für die Autobahn 66 oder der Bahntrasse im Kinzigtal auf Bürgerbeteiligung Wert gelegt habe. „Ich nehme Anregungen ernst“, betont er. Es gehe um einen bestmöglichen Ausgleich der Interessen. Klar müsse aber auch sein, dass es bestimmte Ziele gebe, die als Gesamtgesellschaft erreicht werden müssten. Für Minister Altmaier war es in Hessen übrigens seine dritte „Netzausbaureise“.

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