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Putins Spiel mit der Angst

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Von: Christiane Warnecke

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Bei den Gaslieferungen lässt Russland die Deutschen zappeln

Liefert Russland nun wieder Gas oder nicht? An diesem Donnerstag werden wir es erfahren. Der Diktator im Kreml lässt uns zappeln. Er spielt mit der Angst der Deutschen vor kalten Wohnzimmern im Winter und explodierenden Energiepreisen. Selbst wenn nun wieder Gas fließt, heißt das noch lange nicht, dass auch nächste Woche noch etwas in Deutschland durch die Pipeline Nord Stream 1 ankommt. Denn nach Putins neuester Ankündigung steht dann die Wartung einer weiteren Turbine an. Er will das Spiel mit der Angst also von Woche zu Woche weiterspielen. Kein Wunder - ist die Abhängigkeit von Russland doch noch keineswegs gebannt. Und selbst wenn es uns gelingt, komplett auf russisches Gas zu verzichten, wird das zur Folge haben, dass die Preise dauerhaft wesentlich höher ausfallen als wir es gewohnt sind.

Putin hat also zwei Druckmittel in der Hand: Die schiere Menge an Gas, die darüber bestimmen wird, ob wir möglicherweise im Winter frieren müssen oder nicht. Und der Preis für den fossilen Brennstoff. Führt eine Verknappung doch nach marktwirtschaftlichen Prinzipien unweigerlich zu einem Preisanstieg.

Nun wollen Deutschland und der Rest Europas Putins perfides Spiel am liebsten nicht länger mitspielen. Doch uns bleibt kaum eine andere Wahl. Durch das Tricksen mit der Turbine aus Kanada führt er den Westen mit seiner letztlich inkonsequenten Sanktionspolitik vor. Zugleich schürt er den Unfrieden in der Bevölkerung, der wachsen wird, wenn die Heizkostenabrechnungen mit doppelt oder dreifach erhöhten Abschlagszahlungen für Gas ins Haus flattern. Denn da wäre ja noch die Pipeline Nord Stream 2, die zwar fertig gebaut ist, aber im Rahmen der Sanktionen boykottiert wird. Putin wird weiter genüsslich darauf hinweisen, dass durch diese Rohre ja ausreichend günstiges Gas nach Europa fließen könnte, wenn nur die lästigen Sanktionen gelockert würden, die eben nicht nur für Russland schmerzlich sind, sondern auch für den Westen selbst.

In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie lange die Solidarität mit der Ukraine hält, wenn es in unseren Räumen kälter und auf den Konten leerer wird. Doch auch den russischen Soldaten und der dortigen Bevölkerung steht ein harter Winter bevor. Und ob sich Russland wirklich die Konsequenz leisten kann, auf die Gas-Milliarden aus Europa zu verzichten, ist zweifelhaft.

Für uns lohnt es sich, standhaft zu bleiben und mit Hochdruck an einer Energieversorgung zu arbeiten, die es uns ermöglicht, aus Putins Spiel auszusteigen.

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