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Rentenpläne: Der Aktienanteil muss steigen, und alle sollten einzahlen

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Von: Christiane Warnecke

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Zur Sicherung der Altersversorgung ist ein großer Wurf nötig

Es klingt beruhigend: Trotz hoher Zusatzbelastungen durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine will Arbeitsminister Heil das Rentenniveau stabil halten. Einigermaßen entspannt ist die Perspektive jedoch nur für diejenigen, die zusätzlich privat fürs Alter vorgesorgt haben. Denn von 48 Prozent ihres früheren Nettogehalts können nur die wenigsten gut leben. Und selbst um dieses niedrige Rentenniveau zu halten, muss der Staat immer mehr Steuergeld ins System pumpen.

Die strukturellen Ursachen sind lange bekannt: Immer weniger Einzahler müssen immer mehr Rentner finanzieren - und das bei steigender Lebenserwartung. Bislang hat sich allerdings keine Bundesregierung getraut, das Rentensystem grundlegend zu reformieren. Ein paar Riester-Euros hier, eine Grundrente, die ihren Namen nicht verdient, dort und nun endlich auch eine minimale Investition in Aktien - das alles sind nur Tropfen auf den heißen Stein.

Die Aktienrente, die auf Druck der FDP im Koalitionsvertrag verankert wurde, ist ein Anfang, mehr aber auch nicht. Weist doch die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung zu Recht darauf hin, dass ein Kapitalstock von zehn Milliarden Euro selbst bei einer sehr positiven Entwicklung der Aktienmärkte bei einem Jahreshaushalt von 340 Milliarden Euro keine nennenswerte Entlastung bringen kann. Hier ist mehr Mut gefragt. Der Aktienanteil müsste deutlich höher liegen, um ernsthaft von den Chancen am Kapitalmarkt profitieren zu können.

Um die Rentner in Deutschland wirklich besserzustellen und ein Abrutschen breiter Schichten in die Sozialkassen zu verhindern, wäre allerdings eine echte Reform nötig. Österreich und die Niederlande machen es vor: Dort zahlen alle Erwerbstätigen - auch Selbstständige und Beamte - in die Rentenkasse ein. Zugegebenermaßen etwas höhere Beiträge als in Deutschland. Doch da auch die Reichen Teil des Solidarsystems sind, liegen die Durchschnittsrenten deutlich höher. Für diesen großen Wurf müssten allerdings die Parlamentarier über ihren Schatten springen und ihre eigenen Privilegien beschneiden.

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