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Ryanair nach Frankfurt: Lufthansa-Beschäftigte sind die Verlierer

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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© (FNP)

Des einen Freud ist bekanntlich allzu oft des anderen Leid. Das gilt auch für die strategische Kehrtwende, die die Fraport AG nun offenbar vollzieht, indem sie Ryanair nach Frankfurt lockt.

Des einen Freud ist bekanntlich allzu oft des anderen Leid. Das gilt auch für die strategische Kehrtwende, die die Fraport AG nun offenbar vollzieht, indem sie Ryanair nach Frankfurt lockt. Freuen können sich natürlich die Manager des Flughafen-Betreibers und der irischen Airline: Europas größte Billigfluggesellschaft bietet mittelfristig das Potenzial, die zusätzliche Kapazität, welche die im Herbst 2011 in Betrieb genommene Nordwestbahn beschert, zu einem guten Teil auszulasten – wenn auch nicht so profitabel, wie Fraport-Chef Stefan Schulte ursprünglich kalkuliert hatte. Denn Billig-Airlines und deren Kunden bringen den Flughäfen bislang weniger Einnahmen. Aber angesichts des Umstands, dass Billigfliegen in Europa zur Norm wird, werden diese Einnahmen wohl verlässlicher sein.

Dafür sprechen auch die Ambitionen von Ryanair: Nachdem die Airline im vergangenen und in diesem Jahr ihre Flotte schon um 96 Flieger erweitert hat, erwartet sie in den kommenden Jahren weitere 100 Maschinen. Und dass die vor allem in Deutschland zum Einsatz kommen sollen, hat Vorstandschef O’Leary schon klargestellt: Der Marktanteil soll von derzeit fünf auf rund 20 Prozent steigen. Wie so vieles bei O’Leary, mag auch dies zunächst übertrieben klingen. Aber nachdem Ryanair vor drei Jahren selbst einen strategischen Schwenk vollzogen hat und nun – gegen entsprechendes Geld – viel mehr Service bietet, ist der Anteil der Geschäftsreisenden schon deutlich gestiegen: auf rund ein Viertel. Tendenz weiter steigend. Da werden sich die Iren auch in Frankfurt nicht auf Urlaubsdestinationen beschränken.

Freuen können sich auch die Menschen in der Rhein-Main-Region, die vom Frankfurter Flughafen aus hinaus in die Welt wollen: Zumindest auf den Strecken, die Ryanair fliegen wird, werden die Ticketpreise sinken. O’Leary hatte schon im Frühjahr mit viel Getöse eine neue Runde im europäischen Preiskampf eingeläutet.

Leiden werden dagegen wohl vor allem die Beschäftigten der Kernmarke Lufthansa, denen es bislang weitgehend gelungen ist, ihre Besitzstrände zu wahren – wenn auch zu einem hohen Preis: Die Premiummarke mit dem Kranich schrumpft schon seit Jahren am Frankfurter Flughafen, weil vor allem ihre Personalkosten zu hoch sind, als dass sie im Europa-Verkehr mit Ryanair &Co bestehen könnte. Deshalb wächst die Lufthansa nur noch mit ihrer Billigflug-Sparte „Eurowings“, die 2015 abseits der großen Drehscheiben Frankfurt und München die Flüge innerhalb Europas übernommen hat und verzweifelt versucht, in Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder Köln die etablierten Billigflieger – diejenigen, die nicht nur Billigtickets verkaufen, sondern dabei mit extrem niedrigen Kosten auch gute Renditen erwirtschaften – wieder zurückzudrängen. Machen sich diese Billigheimer nun auch in Frankfurt breit, muss man nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügen, um vorauszusehen, dass die Lufthansa-Konzern-Führung das Frankfurter „Schutzreservat“ für den Kranich aufgeben wird – es sei denn, dass dessen Belegschaft sich doch noch zu substanziellen Einschnitten bereit erklärt.

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