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Peter Altmaier in Peking. Kurz nach seiner Reise erfuhr er vom Tod seiner Mutter.

Harte Zeit für Minister

Schicksalsschlag für Peter Altmaier - bei Maybritt Illner merkte man ihm nichts an

Er wurde jüngst von führenden Wirtschaftsvertretern als „Totalausfall“ und „Fehlbesetzung“ im Ministerium bezeichnet. Nun musste Peter Altmaier seine Mutter beerdigen. Ihr Tod trifft ihn schwer.

Update vom 5. Mai: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss seit Wochen einiges einstecken. Vor allem sein Plan, notfalls mit staatlicher Unterstützung „europäische Champions“ zu schaffen, lässt führende Wirtschaftsvertreter regelrecht schäumen. Nun wurde er von einem weiteren, schweren Schlag getroffen.

Wie die Bild am Sonntag berichtet, starb in der vergangenen Woche seine Mutter. Ihr Tod muss ihn schwer getroffen haben. Altmaier hatte ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter. Erst an Ostern hat er sie über mehrere Tage besucht. Die beiden telefonierten täglich. 

Altmaiers erfährt nach China-Reise von Tod der Mutter

Anita Altmaier hatte sich nach Bild-Informationen nie ganz von einem Sturz vor zweieinhalb Jahren erholt. So war es nicht ganz unerwartet, dass sie nun vergangenen Sonntag im Alter von 89 Jahren friedlich einschlief.

Für Altmaier kam ihr Tod dennoch überraschend. Laut BamS erfuhr er bei der Rückkehr von seiner China-Reise vom Tod seiner Mutter. 

Trotzdem nahm er in dieser Woche einen wichtigen TV-Termin wahr: Altmaier stellte sich bei „Maybrit Illner“ der Kritik einer Klimaforscherin. Er ließ sich nichts anmerken. Genauso wie er die Fundamentalkritik an seiner Politik augenscheinlich gelassen nimmt.

Nur Eingeweihte konnten an seiner Mimik in den Gesprächspausen der Talkshow erkennen, dass er vor wenigen Tagen einen der wichtigsten Menschen seines Lebens für immer verloren hatte. 

Die kommende Ausgabe der Runde beschäftigt sich am Donnerstag übrigens mit dem Loch im Bundeshaushalt.

Altmaier in der Kritik - Fraktionschef Brinkhaus verteidigt ihn: „Sollten respektvoll miteinander umgehen“

Update vom 9. April, 16.08 Uhr: Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) nach scharfer Kritik aus Wirtschaft und Industrie den Rücken gestärkt. Es gebe derzeit eine Kampagne gegen Altmaier, kritisierte Brinkhaus am Dienstag vor einer Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag in Berlin. Es sei ja in Ordnung, dass ein Minister kritisiert werde, man könne sich auch über dessen industriepolitische Vorschläge streiten. „Aber die eine oder andere Volte gegen den Minister, die geht dann meines Erachtens doch zu weit. Wir sollten respektvoll miteinander umgehen.“ Die Diskussion solle auf sachlicher Ebene geführt werden.

Altmaier stehe für Dialog und Gesprächsbereitschaft, sagte Brinkhaus. Der Minister erhebe auch nicht den Anspruch, dass die Inhalte seines Papieres ein Dogma seien. Eine Diskussion könne es aber nur geben, wenn man sich respektvoll und auf Augenhöhe miteinander auseinandersetze.

Update 15.35 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nimmt die Vorwürfe aus der Wirtschaft an seiner Amtsführung nach eigenen Worten gelassen. Er nehme diese Debatte als einen Ansporn, sagte Altmaier am Dienstag im MDR. "Ich habe ja selbst darum gebeten, als ich meine Industriestrategie vorgestellt habe, dass die einzelnen Wirtschaftsverbände, dass Gewerkschaften und Unternehmen ihre Vorschläge, ihre Kritik öffentlich machen. Deshalb ist das ein ganz normaler Prozess."

Staat und Wirtschaft hätten eine gemeinsame Verantwortung, die großen Herausforderungen etwa bei der Digitalisierung, der Automatisierung und der künstlichen Intelligenz zu lösen, sagte Altmaier. "Das heißt, dass der Staat überall dort, wo die Wirtschaft nicht imstande ist, aus eigener Kraft sich diesem Wettbewerb zu stellen, mithelfen muss, dass die Voraussetzungen geschaffen werden."

Update vom 9. April: Industriepräsident Dieter Kempf hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nun ebenfalls Versäumnisse vorgeworfen und ihn zu verstärkten Anstrengungen für die Wirtschaft aufgefordert. „Der Minister muss entschieden mehr tun, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken“, sagte der BDI-Präsident der Deutschen Presse-Agentur. „Dies gilt gerade deshalb, weil die Alarmsignale für unsere Konjunktur mittlerweile unübersehbar sind.“

Zuvor hatten mittelständische Unternehmen Altmaier in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Untätigkeit vorgeworfen. Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), kritisierte außerdem, „hochambitionierte Klimaschutzziele“ ließen sich nicht mit dem Kopf durch die Wand erreichen, sondern nur im Einklang mit Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. „Bei den Energiekosten schießen die Preise durch die Decke.“

Mittlerweile sei Deutschland im Vergleich der Kosten für Industriestrom das drittteuerste Land - unter mehr als 100 Standorten weltweit. „Der bereits im vergangenen Jahr für diesen Januar vom Minister angekündigte Stromkostengipfel lässt derweil weiter auf sich warten. Die Ungeduld der Unternehmen wächst von Tag zu Tag.“

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gegen scharfe Kritik aus Wirtschaft und Industrie in Schutz genommen. Er könne diese Äußerungen nicht nachvollziehen, sie seien „in Teilen schlicht unfair“, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Die Wirtschaft solle vielmehr großes Interesse an einer engen Zusammenarbeit mit Altmaier haben, „auch wenn der vielleicht Meinungen vertritt, die nicht jedem gleich gefallen“. Kritik gehöre zur Politik, aber er empfinde den Umgang mit Altmaier „als nicht gerechtfertigt“. Altmaier sei dabei, Ökonomie, Ökologie und die soziale Frage miteinander zu kombinieren. „Das mag immer nicht jedem gleich gefallen“, sagte Dobrindt.

„Totalausfall“, „Ministerium beschädigt“: Merkels Vertrauter erzürnt Wirtschaftsverband

Berlin - Peter Altmaier zählt zu den Politikern, die sich um ihren Platz in Angela Merkels Kabinett keine Sorgen machen müssen: Seit 2012 ist der 61-Jährige in verschiedenen Regierungsposten tätig - er gilt als wichtiger Vertrauter der Kanzlerin. Nun regt sich aber deutlicher Unmut gegen Altmaiers Wirken. Und zwar ausgerechnet in einer für die CDU traditionell wichtigen Gruppe.

Der Verband der Familienunternehmer hat zu einem spektakulären Rundumschlag gegen den Wirtschaftsminister ausgeholt. „Altmaier hat das Wirtschaftsministerium beschädigt“, sagte Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) - und kündigte an, Altmaier demonstrativ nicht zum 70. Jubiläum der Organisation einzuladen. Pikante Randnotiz in dieser Angelegenheit: SPD-Chefin Andrea Nahles darf kommen.

Altmaier heftig in der Kritik: „Fehlbesetzung“, „Totalausfall“, „gewaltiger Kollateralschaden“

Auch von einer „Fehlbesetzung“ und einem „Totalausfall“ ist bei den Unternehmern laut einer Umfrage der FAS die Rede. „Die CDU enttäuscht ihre bisherigen Unterstützer“, beschwerte sich Eben-Worlée. Altmaier sei ein „gewaltiger Kollateralschaden“ für die Partei - Wirtschaftskompetenz sei im Kabinett „mit keinem Gesicht mehr verbunden“.

Mit seiner Kritik steht er nicht alleine da: Die Unternehmer sehnten sich seit der Amtsübernahme Altmaiers sogar nach dessen Vorgänger Sigmar Gabriel zurück, zitiert bild.de den Hauptgeschäftsführer des Maschinenbau-Verbandes VDMA, Thilo Brodtmann. 

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Brodtmann hatte schon unlängst geklagt, Altmaier unterschätze „die Bedeutung der mittelständischen Unternehmen“. Anlass war damals die Vorstellung der „Nationalen Industriestrategie 2030“. Offenbar sind die Verbände aber auch ganz allgemein unglücklich mit Altmaiers Politik: Eine Strategie für den Mittelstand existiere nicht, auch einen „Stromgipfel“, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und eine Begrenzung der Sozialabgaben habe es trotz entsprechender Ankündigungen nicht gegeben.

Peter Altmaier trat als Wirtschaftsminister kürzlich auch in Russland auf: Hier eröffnet er mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und Wladimir Putin eine Autofabrik in Yesipovo.

Auch SPD attackiert Merkels Wirtschaftsminister - Altmaier nimmt‘s gelassen

Damit nicht genug: Auch der Koalitionspartner nahm die Vorlage dankend auf - wenn auch aus etwas anderen Gründen. „Herr Altmaier kommt bei diesen Themen nicht voran. Es ist eine große Enttäuschung, die ich da erlebe“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Bild mit Blick auf die Digitalpolitik.

Altmaier nahm die Attacken unterdessen gelassen auf. „Dass Politiker hin und wieder mal kritisiert werden, ist eine ganz normale Erscheinung. Wer glaubt, dass das nicht dazugehört, der hat in der Politik nichts verloren“, sagte der Minister am Montag vor Journalisten. Er habe in den vergangenen Monaten „viel Zuspruch“ erlebt - „das motiviert mich“, erklärte Altmaier.

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fn

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