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Alles eine Frage der Ideologie? Die angebliche Streichung von Schweinefleisch aus den Essensplänen von Kindereinrichtungen wurde im Jahr 2016 zu einer heftigen Debatte. Unionspolitiker im von Massentierhaltung geprägten Schleswig-Holstein appellierten an die Beibehaltung von Schnitzel & Co. auf der Speisekarte als wichtigen Bestandteil der Kultur.

Ein Grüner und ein Schwarzer verstehen sich

Die Schnitzel-Connection

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Schwarz-Grün. Anton Hofreiter hat ein Buch über – und auch gegen – die „Fleischfabrik Deutschland“ geschrieben. Peter Altmaier stellt es vor am Dienstagmittag. Natürlich weckt diese Kombination Koalitions-Spekulationen.

Sie kennen sich, sie können sich leiden – und sie gehen auch gerne essen miteinander. Es darf dann durchaus Schnitzel sein oder Steak, nicht nur für Peter Altmaier, den Kanzleramts-Chef von der CDU, bekennender Fleischliebhaber seit Kindertagen, als der Metzger ihm oft ein Rädchen Fleischwurst über die Theke reichte. Auch Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen, isst gern „sehr sehr gute Steaks“. Das heißt für ihn, sie stammen von Rindern, „die richtig anständig gehalten worden sind“.

Anständig, ein in Bayern gerne benutztes Wort, bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur gut – sondern fair, ehrenwert, tadellos. Für den Grünen Hofreiter heißt Anstand in der Tierhaltung: keine Küken schreddern, Ferkel nicht betäubungsfrei kastrieren, Sauen nicht routinemäßig den Schwanz amputieren, Rinder nicht im Schnelldurchlauf mästen, Kühe nicht als Hochleistungs-Milchproduzentinnen verheizen. Alles das ist in Deutschland erlaubt. Man nennt es industrielle Landwirtschaft. Und weil es das gibt, hat Hofreiter ein Buch geschrieben über und gegen die „Fleischfabrik Deutschland“ (Riemann Verlag).

„Wir müssen uns Gedanken machen über das Tierwohl“, sagt auch Peter Altmaier. Hofreiter sind Gedanken zu wenig. Er will, dass die ganze Landwirtschaft sich ändert. Weltweit. Weil es für die Bauern und die Verbraucher, sagt er, ja auch weltweit falsch läuft. Für die massenhafte Tierproduktion kauft der deutsche Landwirt Soja, produziert in Südamerika, wo dafür die Kleinbauern verdrängt wurden, das Fleisch exportiert er dann nach West-Afrika und ruiniert so den einheimischen Bauern – „der“, sagt Hofreiter, „macht sich dann als Flüchtling auf zu uns“.

„Das Thema“, sagt Altmaier, „ist verdammt komplex.“ „Es sind“, sagt Hofreiter, „halt alle Getriebene eines falsch aufgestellten Systems.“ Er meint damit wirklich alle: Politiker, Bauern, Verbraucher – überall in der Welt. Beide sind einig, dass Fleisch weltweit nachhaltiger produziert werden muss. Hofreiter will dafür „das System der industriellen Landwirtschaft“ knacken. Altmaier ist überzeugt, „ohne Wachstum geht es nicht“.

In Bonn haben Schwarze und Grüne schon in den Neunzigern vom gemeinsamen Regieren geträumt, in einem italienischen Restaurant, beim Essen; in der sogenannten „Pizza-Connection“ war Altmaier dabei. In gut einem Jahr ist Bundestagswahl – plant die „Schnitzel-Connection“ etwa jetzt, wie danach Hofreiter Landwirtschaftsminister wird? „Erst mal“, sagt der, „will ich ganz schlicht regieren.“ Und dass er sich vorstellen kann, dass die Massentierhaltung „überwindbar ist – auch mit der CDU“. Für die hätte Altmaier das Ministerium lieber, sagt er. Aber auch: „Ich trau’ dem Anton Hofreiter vieles zu.“

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