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Bela B. (li.) und Farin Urlaub singen gegen Neonazis und Fremdenhass an.

Der Schrei nach Liebe

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Mit dem Remake eines über 22 Jahre alten Songs gegen Fremdenhass und Nazis landet die Kultband „Die Ärzte“ einen Riesenerfolg. Die Einnahmen durch den Song gehen an „Pro Asyl“.

Wer an die Kultband „Die Ärzte“ denkt, dem fällt vor allem der Punk-Pop-Gassenhauer „Westerland“ ein. Doch die Band um Farin Urlaub und Bela B. hat noch mehr drauf. Mit ihrem Anti-Nazi-Song „Schrei nach Liebe“ feiern die „Die Ärzte“ aktuell ein fulminantes Comeback und landen mit ihrem Song damit an der Spitze der Downloadcharts.

„Du bist wirklich saudumm, darum geht’s dir gut. Hass ist deine Attitüde, ständig kocht dein Blut. Alles muss man dir erklären, weil du wirklich gar nichts weißt. Höchstwahrscheinlich nicht einmal, was Attitüde heißt!“

Das 1993 veröffentlichte Lied der „Ärzte“ war in den letzten Wochen von der „Aktion Arschloch“ () medienwirksam gepusht worden. Die Initiative will damit ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland setzen. Sie forderte dazu auf, den Song zum Beispiel online zu kaufen oder sich das Lied bei Radiosendern zu wünschen.

„Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe. Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit. Du hast nie gelernt, dich zu artikulieren. Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit, Oh, oh, oh, Arschloch!“ (Refrain)

Was hinter der Aktion steckt, erläutert die Band so: „Wir finden es gut, dass im Radio Stellung bezogen wird. Die Aktion wäre auch mit jedem anderen Anti-Nazi-Song cool. Wir wollen an der Sache definitiv nichts verdienen und werden alle Einnahmen von ,Schrei nach Liebe‘ an ,Pro Asyl‘ spenden“, heißt es dort. Und zum guten Schluss wünscht die Band „allen Nazis und ihren Sympathisanten schlechte Unterhaltung“.

„Warum hast du Angst vorm Streicheln, was soll all der Terz? Unterm Lorbeerkranz mit Eicheln, weiß ich, schlägt dein Herz. Und Romantik ist für dich nicht bloß graue Theorie. Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ’ne Kuschelrock-LP.“

Nach den verbrecherischen Übergriffen und Anschlägen auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte zu Beginn der 1990er Jahre in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Mölln hatten die Ärzte erstmals den Song „Schrei nach Liebe“ veröffentlicht.

„Weil du Probleme hast, die keinen interessieren, weil du Schiss vorm Schmusen hast, bist du ein Faschist. Du musst deinen Selbsthass nicht auf andre projizieren, damit keiner merkt, was für ein lieber Kerl du bist, Oh, oh,oh“

Das Lied erfreute sich schnell wachsender Beliebtheit. Schnell wurde es zu einem Kult-Song gegen Rechtsextremismus.

Bei den iTunes von Apple ist „Schrei nach Liebe“ derzeit der meistverkaufte Song, das Album der „Ärzte“ steht auf Platz zwölf. Auch bei Google Play belegt der Song Platz eins, das Album ist ebenfalls ganz oben gelistet. Das gleiche phänomenale Ergebnis erreichten „Die Ärzte“ auch für die digitalen Verkäufe bei Amazon.

Bei dem Initiator der Aktion handelt es sich übrigens um den Musiklehrer Gerhard Torges aus Georgsmarienhütte in Niedersachsen. Dem „Berliner Tagesspiegel“ sagte er in einem Interwiew: „Ich möchte das Thema stärker in die Medien bringen. Das Lied der „Ärzte“ hat es schon einmal geschafft, ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen – vielleicht kann es erneut das Denken und das Verständnis der Menschen ändern und etwas bewegen.“

„Die Ärzte“ haben sich außerdem an einem Aufruf von 20 bekannten deutschen Bands beteiligt und unterstützen mit ihnen einen Aufruf gegen rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlinge. Initiiert wurde dieser von den Organisationen „Pro Asyl“ und „Kein Bock auf Nazis“. Die Musiker fordern mehr Schutz für die Asylbewerber, weil die Bedrohung durch rechtsextreme Gewalttäter immer gefährlicher werde. Den Aufruf unterzeichneten neben den Ärzten auch bekannte Musik-Größen wie die Toten Hosen, Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Beatsteaks, Deichkind, Jan Delay und weitere Musiker.

Doch nicht nur in Deutschland erregte die Aktion und der Song große Aufmerksamkeit. Auch die „Washington Post“ kam an dem Thema nicht vorbei und ging auf dem Erfolg des Songs und der Band ein.

Natürlich reagierten auch die Kommentatoren bei Facebook & Co. auf die „Ärzte“-Aktion. So schrieb Frank B. zum Beispiel in seinem Facebook-Posting: „Bei solchen Bildern bin ich echt stolz darauf, Deutscher zu sein. Liebe Nazis, ,Ich bin stolz, Deutscher zu sein‘ ist ab jetzt mein Spruch! Sucht ihr euch einen anderen. Auf mein Deutschland, ein Deutschland der Solidarität und Mitmenschlichkeit, kann man nur stolz sein. Euer Deutschland ist zurecht im Laufe der Geschichte untergegangen.“

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