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Kommentar zu den Schülerprotesten: Kämpft für Eure Zukunft!

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Liebe Schüler, zunächst einmal ein dickes Sorry. Da glaubte unsereins bis vor kurzem, dass Ihr eine Generation seid, deren Interessen kaum über das Display ihres Smartphones hinausgehen, deren Engagement

Liebe Schüler, zunächst einmal ein dickes Sorry. Da glaubte unsereins bis vor kurzem, dass Ihr eine Generation seid, deren Interessen kaum über das Display ihres Smartphones hinausgehen, deren Engagement sich auf die Veröffentlichung von Instagram-Fotos oder WhatsApp-Gedaddel beschränkt. Und jetzt dies: Seit Wochen geht Ihr zu Tausenden in vielen deutschen Städten, darunter Frankfurt und Wiesbaden, auf die Straße, um gegen die Klimakrise zu protestieren respektive gegen das bisher zu inkonsequente Gegensteuern der politisch Verantwortlichen. Jeden Freitag und während der Unterrichtszeit. Respekt.

Klaus Spaene

Gleichzeitig habt Ihr durch Eure Hartnäckigkeit dafür gesorgt, dass die Demos zum Politikum geworden sind, auch wenn die Meinungen darüber auseinandergehen. Da gibt es Fürsprecher wie die Bundeskanzlerin höchstselbst. Sie spricht in einem Video-Podcast in ihrer Merkelschen Art von einer „sehr guten Initiative“ und dass sie Euren Kampf „sehr“ unterstütze. Wirtschaftsminister Altmaier war gar auf einer Eurer Demos. Und Justizministerin Barley ist so begeistert, dass sie gleich die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 vorschlägt. Okay, es gibt auch Kritik wie von CDU-Bildungsministerin Anja Karliczek und einigen Bürokraten, die auf Einhaltung der Schulpflicht pochen. Und manche meinen, dass Ihr Euch selbst schadet, wenn Ihr die Schule schwänzt. Oder die raten, Ihr solltet zunächst vor der eigenen Haustür kehren, sprich das Elterntaxi abstellen, dass Euch per fettem SUV zur Schule bringt.

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Genau das macht Ihr aber bereits – etwa in München, wo Ihr dafür von Autofahrern bedroht und beleidigt werdet. Was wiederum zeigt: Klimaschutz gleicht oft einem Kampf gegen Windmühlen. Deren Flügel bestehen aus Klimawandel-Leugnern wie dem aktuellen US-Präsidenten und anderen rechten Populisten. Aus Lobbyisten der Öl- und Autoindustrie nebst deren politischen Erfüllungsgehilfen à la Bundesverkehrsminister Scheuer, der kein Interesse an einer nachhaltigen Verkehrswende hat. Nicht zuletzt auch aus Bequemlichkeit und Ignoranz im Alltag. Und das angesichts der nicht mehr zu übersehenden Zeichen wie dem viel zu warmen und zu frühen Vorfrühling 2019, der auf das wärmste Jahr seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren folgte.

Und das ist quasi nur die Spitze des aufgrund der fortschreitenden Erderwärmung schmelzenden Eisbergs. Die Folgen werdet Ihr, um im Bild zu bleiben, erst richtig ausbaden müssen. Ergo: Lasst Euch nicht abschrecken und protestiert weiter für Eure Zukunft.

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