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Der Sieger heißt Rewe

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Von: Michael Balk

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© (FNP)

Für die 15 000 Beschäftigten von Kaiser’s Tengelmann ist die erfolgreiche Schlichtung durch Altkanzler Gerhard Schröder schon ein vorgezogenes Weihnachtsfest.

Für die 15 000 Beschäftigten von Kaiser’s Tengelmann ist die erfolgreiche Schlichtung durch Altkanzler Gerhard Schröder schon ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Sie dürfen nun darauf vertrauen, dass ihre Arbeitsplätze für mindestens sieben Jahre garantiert werden. Einer Illusion dürfen sie jedoch nicht anheimfallen: Dass die knapp 450 Standorte, die die Supermarktkette der Milliardärsfamilie Haub derzeit noch betreibt, alle erhalten werden. Darunter sind zahlreiche Filialen – vor allem in Nordrhein-Westfalen –, die dauerhaft hohe Verluste erwirtschaften. Dafür werden auch die neuen Herren im Hause Kaiser’s Tengelmann, die beiden deutschen Supermarkt-Riesen Edeka und Rewe, keinen Bestandsschutz zusagen. Doch wichtig für die Mitarbeiter ist vor allem, dass sie bei anstehenden Filialschließungen und -zusammenlegung ihren Job nicht verlieren. Sie werden dann allerdings eine gewisse Flexibilität und Mobilität für einen neuen Arbeitsort aufbringen müssen.

Der letzte sozialdemokratische Bundeskanzler hat in den vergangenen Tagen ganze Arbeit geleistet, indem er die verfeindeten Marktführer an einen Tisch gebracht und zu einem Kompromiss getrieben hat. Erstaunlich dabei ist auch die Schnelligkeit, in der die Einigung zustande kam.

Die Details der Einigung sind zwar noch nicht bekannt. Doch unterm Strich gibt es einen eindeutigen Sieger: Rewe hat sich mit seinem Widerstand gegen die Komplettübernahme von Kaiser’s Tengelmann durch den Rivalen und Marktführer Edeka durchgesetzt. Rewe-Chef Alain Caparros hat sein Ziel erreicht und bekommt nun selbst ein Stück vom Tengelmann-Kuchen ab. Die früheren Versuche, Rewe gegen einen finanziellen Ausgleich zur Rücknahme der Klage gegen die von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erteilte Ministererlaubnis zu bewegen, hatte Caparros stets mit den Worten abgelehnt : „Wir brauchen kein Geld.“ Ganz anders die beiden Mitkläger: Norma und Markant haben sich ihren juristischen Rückzug versilbern lassen.

Der inzwischen 72-jährige Schröder hat nicht nur die deutsche Lebensmittelbranche befriedet und die Tengelmänner beglückt. Er hat auch dem amtierenden SPD-Parteivorsitzenden einen kräftigen Schub im parteiinternen Duell mit Martin Schulz zur SPD-Kanzlerkandidatur gegeben. Schröder hat Gabriel in der Stunde des Triumphes das Feld allein überlassen. Das ist für den Brioni-Anzugträger ein erstaunlich uneitler Zug. Gabriel dürfte damit aktuell die Nase leicht vorn haben. Auch seine klaren Worte zum Schutz deutscher Industrieunternehmen in Richtung China müssten sich beim früheren Pop-Beauftragten der Sozialdemokraten auf der Habenseite niederschlagen.

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