+
HSV-Fans gehen auf einem Bahnsteig in Bremen Richtung Ausgang des Bahnhofs, nachdem sie mit dem Zug aus Hamburg ankamen und werden dabei von Polizisten beobachtet. Archivfoto: TeleNewsNetwork/TeleNewsNetwork/dpa

Pro- und Contra-Kommentar

Soll die DFL für Polizeieinsätze zahlen?

  • schließen
  • Markus Katzenbach
    Markus Katzenbach
    schließen

Ich bin, wie alle meine Freunde und auch viele Leser wissen, leidenschaftlicher Fußball-Fan. Mein Herz schlägt für die Eintracht. Ich war im zarten Alter von fünf Jahren das erste Mal im Waldstadion. Aber ich bin auch Steuerzahler. Deshalb begrüße ich das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Bremen, das die Deutsche Fußball Liga (DFL) zur Kostenübernahme für Polizeieinsätze rund um Risikospiele heranzieht. Ich würde es sogar begrüßen, wenn diese Rechtssprechung auf alle Bundesligaspiele ausgeweitet würde.

Ich bin, wie alle meine Freunde und auch viele Leser wissen, leidenschaftlicher Fußball-Fan. Mein Herz schlägt für die Eintracht. Ich war im zarten Alter von fünf Jahren das erste Mal im Waldstadion. Aber ich bin auch Steuerzahler. Deshalb begrüße ich das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Bremen, das die Deutsche Fußball Liga (DFL) zur Kostenübernahme für Polizeieinsätze rund um Risikospiele heranzieht. Ich würde es sogar begrüßen, wenn diese Rechtssprechung auf alle Bundesligaspiele ausgeweitet würde.

Es kann doch nicht sein, dass die Bundesliga Milliarden- Umsätze macht und die Klubs auch Durchschnittsspielern Millionen-Gehälter zahlen, sich aber bei den anfallenden Polizeikosten drücken können. Diese entstehen vor allem deshalb, weil sich eine Minderheit der Fans nicht benehmen kann und rund um die Spiele Schlägereien anzettelt. Die Vereine, die Probleme mit ihren marodierenden Anhängern oft zu lax und kumpelhaft angehen, nehmen gerne die Vorteile der uferlosen Kommerzialisierung des Sports mit, wälzen die Kosten für die unangenehmen Begleiterscheinungen aber auf die Allgemeinheit ab. Die unzähligen Überstunden, die die Polizisten rund um die Spiele ansammeln, werden entweder endlos mitgeschleppt, mit Steuergeldern ausbezahlt oder abgebummelt und fehlen dann beim eigentlichen Sicherheitsdienst. Und man glaubt es kaum: Es gibt auch viele Menschen, die sich nicht oder weniger für Fußball interessieren. Für diese kann sich der Reiseverkehr am Wochenende (oder neuerdings auch montags) aufgrund von grölenden einheimischen, auswärtigen oder durchreisenden Fans als unangenehm und bisweilen gefährlich gestalten. Für sie ist es besonders ärgerlich, wenn sie die Unannehmlichkeiten auch noch als Steuerzahler mitfinanzieren sollen.

Natürlich sind jene Rohheit und Fangewalt zeitgenössische Erscheinungen, die nicht allein dem Fußball anzulasten sind, aber er gibt doch den Anlass, ohne den es viele dieser Schlägereien nicht geben würde. Statt noch den siebten Ergänzungsspieler und dritten Torwartrainer zu holen, sollten die Vereine lieber noch mehr in kluge und präventive Fanarbeit investieren.

dieter.sattler@fnp.de

Natürlich kann sich die versammelte deutsche Fußball-Welt in dieser Frage nicht der Verantwortung entziehen. Mit Sicherheit sind ihre Vertreter gefordert, wenn es darum geht, handfeste Ausschreitungen und andere Ausfallerscheinungen sogenannter Fans in den Griff zu bekommen, selbst wenn das alles nur am Rande etwas mit dem eigentlichen Kick zu tun hat. Vereine und Verbände aber für Polizei-Einsätze bezahlen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Die öffentliche

Sicherheit ist Sache des Staates

. Seine Institutionen entscheiden, wie mit Gefahrenlagen umzugehen ist – und haben auch die daraus resultierenden Kosten zu tragen.

Im hessischen Innenministerium scheint man das ähnlich zu sehen, anders als in Bremen. Auch aus praktischen Gründen. Wie soll man festlegen, bei welchen Terminen welche Vereine zur Kasse gebeten werden? Wie ist das bei kleineren Sportveranstaltungen, bei denen die Gewaltbereitschaft gewiss geringer ausfällt, aber auch Staatsbeamte gefordert sind? Bei Konzerten oder Volksfesten? Der Verweis auf die im modernen Fußball umgesetzten Unsummen hilft nicht weiter. Das Oktoberfest ist auch keine rein gemeinnützige Veranstaltung, und aus der Bier-Kasse werden 1896 Polizei-Einsätze 2017 trotzdem nicht bezahlt.

So unabdingbar es ist, dass Freunde und Helfer zur Stelle sind, wenn Gewalt droht, gibt es in diesem Zusammenhang noch andere schwierige Gemengelagen. Viele unverdächtige Fußball-Liebhaber etwa haben schon unliebsame Erfahrungen gemacht mit unverhältnismäßigen Staatshandlungen. Einen besonders überzogenen Fall polizeilichen Vorgehens erlebten Fans der Frankfurter Eintracht 2009 in Bremen. Sollen die Vereine dann etwa noch eine Zulage zahlen, wenn sich die Behörden derart vergaloppieren, zum Schaden ihrer Fans? Für die Sicherheit im Stadion sind sie zuständig. Dafür haben sie Ordnungsdienste. Die Clubs sind auch gefordert, auf ihre Fan-Szene so einzuwirken, dass der friedliche Rahmen gewahrt bleibt. Was man im Dialog erreichen kann, war gerade bei den Montags-Demos in Frankfurt gegen die ungeliebte neue Anstoßzeit zu sehen. Präventionsarbeit ist ein schwieriges Geschäft, und sie wird nicht alle Übel beseitigen. Sie führt aber weiter als populistische Diskussionsbeiträge.

markus.katzenbach@fnp.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare