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Die Zuschauertribüne des Rennklubs neben der Galopprennbahn in Niederrad. Die einen träumen davon, dass dort wieder Turf-Zuschauer Platz nehmen. Die anderen hätten sie gern schon abgerissen.

Frankfurter Landgericht erlaubt die Räumung des Areals

Stadt schlägt Renn-Klub

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Punktsieg für die Stadt Frankfurt im Streit um die Rennbahn: Vor dem Landgericht gewann sie gestern ihre Räumungsklage, der Renn-Klub muss das Niederräder Areal verlassen. Doch der weigert sich weiter.

Der Renn-Klub muss das Rennbahn-Areal im Stadtteil Niederrad räumen und der Stadt Frankfurt übergeben. Dieses Urteil erging gestern am Landgericht Frankfurt. Das klingt, als könnte die Stadt demnächst ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen und das Gelände an den Deutschen Fußballbund (DFB) übergeben, der dort eine Fußball-Akademie errichten will. Doch tatsächlich ist der Richterspruch nur ein Etappensieg für die Stadt, der Renn-Klub hat vorerst nicht vor, sich den Gerichten zu fügen.

„Der Frankfurter Renn-Klub hat bereits seine Rechtsanwälte beauftragt, gegen das heutige intransparente Urteil Berufung beim Oberlandesgericht (OLG) einzulegen“, verkündete das Vereinspräsidium. Und setzte hinzu: „Wer 1 : 0 führt, der stets verliert.“

Dass diese vermeintliche Fußball-Weisheit widerlegt ist (70 Prozent der führenden Mannschaften gewinnen auch), könnte bei der Stadt und dem DFB die Hoffnung schüren, dass die schon vor Jahren gefassten Pläne zur Zukunft der Rennbahn nun Wirklichkeit werden. Demnach ist die Ära des Pferdesports in Frankfurt zu Ende, der DFB soll einen großen Teil des Areals für 6,8 Millionen Euro Erbpacht übernehmen. Der Verband will darauf eine Fußball-Akademie mit Trainingszentrum und Verwaltungsbau errichten. Rund 125 Millionen Euro, so die neueren Schätzungen, wird das kosten. Der DFB-Bundestag will die Pläne noch einmal prüfen. Anfang 2017 sollte das Grundstück übergeben werden, inzwischen ist vom Jahr 2018 die Rede.

Denn zwischen Stadt und Fußball steht der Renn-Klub, der die Kündigung seiner Verträge nicht akzeptieren will und den auch der 2015 verlorene Bürgerentscheid nicht zum Rückzug bewegen kann. In rund einem Dutzend Verfahren wird vor Gericht gestritten. Eines davon hat die Staatsanwaltschaft jetzt eingestellt: Der Renn-Klub hatte den damaligen Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) und den noch immer amtierenden Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) der Untreue bezichtigt; sie hätten die Erbpacht für den DFB viel zu niedrig angesetzt. Nun stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein, sie erkannte keinen Anfangsverdacht. Stadtrat Frank sagte dazu: „Das bestätigt meine Rechtsauffassung. Zumal der Preis ja vorab öffentlich diskutiert wurde.“ Er hoffe, dass das Urteil des Landgerichts die vereinbarte Übergabe beschleunigen kann.

Dieses ist bislang nicht rechtskräftig, dennoch wird der Stadt das Recht zur vorläufigen Vollstreckung eingeräumt. Den

Weihnachtsfrieden

will man einhalten, danach werde man den Räumungstitel auch vollstrecken, kündigte der Leiter des Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, an. Dafür muss die Stadt 216 000 Euro hinterlegen, um bei einem anders lautenden zweiten Urteil dem Renn-Klub eventuell Schadensersatz zahlen zu können. „Das Urteil ist ein wichtiger Schritt, wenn auch nicht die letzte Instanz. Es macht uns wieder handlungsfähig“, sagte Baudezernent Jan Schneider (CDU). „Ich hoffe, dass mit dieser Entscheidung jetzt allmählich die Einsicht beim Renn-Klub größer wird, dass diese Prozesse nicht zu gewinnen sind, so dass wir mit dem Bau der Akademie beginnen können“, gab sich auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch optimistisch.

Carl-Philip Graf zu Solms-Weidenfels, Schatzmeister und Sprecher des Renn-Klubs, erteilte solchen Hoffnungen eine Abfuhr: „Ein fairer Prozess sieht anders aus.“ Das Landgericht habe nicht einmal die vorgelegten Beweise geprüft.

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